Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2005
     
 

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Reisebericht Bhutan

22.03. - 20.04.2005

Grüezi - Kuzuzangpo*

Vom indischen Siliguri bringt uns ein Bus der staatlichen bhutanesischen Transportgesellschaft in den Grenzort Jaigaon. Wir durchschreiten das Bhutan-Gate, das die Grenze zur Stadt Phuentsholing in Bhutan markiert. Sofort fallen uns die saubere Umgebung und der äusserst geregelte Strassenverkehr auf. Der Unterschied zum doch recht verschmutzten und chaotischen Indien könnte nicht augenfälliger sein. Der Status von Phuentsholing als zollfreie Zone erlaubt es Touristen, hier eine Nacht ohne Visa und Zollformalitäten verbringen zu dürfen. Diese erledigen wir erst bei der Weiterreise im fünf Kilometer entfernten Rinchending.

Als kleines, sehr auf seine Kultur und Traditionen bedachtes Land mit beschränkten Ressourcen, verzichtet Bhutan auf den Massentourismus, wie er in Indien oder Nepal zu beobachten ist. Bhutan geht seinen eigenen Weg. Der Besuch ist nur mit einer im Vorfeld organisierten Tour mit Reiseführer und für alle Touristen gleich hohen Tagespauschalen möglich. Momentan reisen jährlich nicht mehr als 10'000 Touristen in das Koenigreich in den Himalayabergen. Von der Tagespauschale muss die bhutanesische Reiseagentur einen Drittel an die Staatskasse abliefern. Diese Einnahmen kommen der Bevölkerung zu Gute, fliessen die Beträge doch in kostenfreie medizinische Grundversorgung, ebenfalls kostenlose obligatorische Schulbildung und in die Verbesserung der Wasser- und Stromversorgung. Heute verfügen bereits 90 Prozent der Haushalte über Strom- und Wasseranschluss. Selbst in den abgelegensten Gebieten können mehr als 80 Prozent der Bevölkerung innerhalb von zwei Stunden eine der im ganzen Land verteilten Krankenstationen erreichen. Wenn man sich die topografische Situation vor Augen hält, ist dies eine beachtliche Zahl. Trotz der sanften Modernisierung und der eingeleiteten Verbesserungen stellen Landwirtschaft und Viehzucht immer noch die Tragpfeiler der Wirtschaft dar. Ihr Beitrag zum Volkseinkommen macht etwa 45 Prozent aus. Mehr als 90 Prozent der Bewohner Bhutans sind Bauern.

Seit 1907 ist Bhutan eine Monarchie. Der jetzt regierende vierte Koenig, seine Majestät Jigme Singye Wangchuck gibt sich zusammen mit seinen vier Frauen, vier Schwestern, sehr volksnah und ist äusserst beliebt. Er leitete verschiedene politische Reformen ein. So wird die aus sieben Ministern bestehende Regierung seit 1998 nicht mehr von ihm alleine bestimmt, sondern vom Parlament. 2001 wurde der Entwurf zur ersten schriftlichen Verfassung des Landes präsentiert, 2004 wurde diese definitiv verabschiedet.

Wir treffen unseren Reiseführer am ersten Abend im Hotel in Phuentsholing. Chimi, ein 36-jaehriger Familienvater aus der Hauptstadt Thimphu, präsentiert sich uns modern und aufgeschlossen im T-Shirt und Jeans. Am nächsten Morgen trägt er aber wie die Mehrheit der bhutanesischen Männer den Gho, den traditionellen Gehrock. Dazu traegt er Kniesocken und Halbschuhe.

Die nächsten vier Tage verbringen wir in Paro. Dort findet eines der wichtigsten religiösen Tanzfestivals, das Paro Tsechu, statt. Auf dem Platz hinter dem Dzong, der befestigten Klosteranlage, treffen sich die Einheimischen aus nah und fern. Die Männer tragen ihren besten Gho mit dem Kabney, einem weissen Schal. Die Frauen präsentieren sich in Kira und Rachu, einem Rock mit Schultertuch, in den wunderschönsten Mustern. Auf der Bühne im Zentrum der Zuschauerarena tragen Tänzer verschiedene Darbietungen vor. Sie tragen wunderbare Kostüme und Masken, die Tiergesichtern und Dämonen gleichen. Die Tänze werden zu den Takten von Musikinstrumenten wie Trommeln, Cinellen und Trompeten vorgetragen. Clowns in roten Masken sorgen in den Pausen für Unterhaltung. Sie bringen mit ihren Possen die Zuschauer zum Lachen, sorgen aber auch für Ordnung, indem sie das zahlreiche Publikum wieder hinter die weissen Linien zurückdrängen. Sie sammeln zudem noch Geld für den Klosterbetrieb. Der wichtigste Tanz des zweiten Tages ist der Tanz der Rokshas und die Darstellung des jüngsten Gerichts. Eine überlebensgrosse Figur stellt Shinje, den Gott des Todes, dar. Er entscheidet ob eine Seele im Himmel oder in der Hölle landet. Für die tiefgläubigen Bhutanesen ist es sehr wichtig, diesem Tanz beizuwohnen. Durch die Begegnung mit dieser Gottesfigur und seinen Helfern fällt es ihnen leichter, sich auf das Leben nach dem Tod vorzubereiten.

Der Höhepunkt des Festivals findet in den Morgenstunden des vierten Tages statt. Auf dem Festplatz wird der Thondrol, ein riesiger bemalter Wandteppich mit dem Bildnis von Guru Rinpoche, der wichtigsten religiösen Figur Bhutans, aufgehängt. Der Teppich ist mindestens 30 Meter breit und 20 Meter hoch. Noch während der Teppich langsam hochgezogen wird, besammeln sich Tausende von Pilgern, um am Teppich vorbeizumarschieren, ihn zu berühren und ihre Opfergaben abzugeben. Die ganze Atmosphäre hat etwas mystisches in sich. Die Luft ist getränkt mit dem Rauch von Duftstäbchen, von überall ertönt das Gemurmel der Gebete. Der Teppich wird vor Einbruch des Tageslichtes wieder eingerollt und für ein weiteres Jahr im Kloster aufbewahrt.

Nachdem wir uns in den ersten Tagen in Bhutan ein Bild über den starken Glauben und die buddhistischen Sitten und Gebräuche machen konnten, ist es nun an der Zeit, die landschaftlichen Schönheiten des Landes zu entdecken. Während zweier Wochen wandern wir von Druk Gyel Dzong nach Damji (siehe Spezialbericht Laya-Gasa-Treck). Die Wanderung führt uns über steile Pässe, der höchste über 5000 Meter hoch, in abgelegene Täler und Dörfer. Wir sind mit Zelten, neun Schwerbepackten Maultieren, zwei Köchen und zwei Tierbetreuern unterwegs. Wir übernachten oft fernab jeglicher Zivilisation, trotzdem wird uns ein nie erwarteter Komfort geboten. Auch kulinarisch werden wir vom Küchenteam mit bhutanesischen Spezialitäten sehr verwöhnt. Wir haben Wetterglück und die Bergwelt des Himalayas präsentiert sich uns in schönster Pracht. Der wolkenfreie Blick auf den Jhomolhari (7314 M.ue.M.) am dritten und vierten Tag ist atemberaubend. Zum Abschluss des Trecks ruhen wir uns in den heissen Quellen von Gasa Tsachu aus. Unsere Muskeln geniessen nach den Strapazen der langen Wanderung die wohltuende Wärme der Bäder.

Während der restlichen zwei Wochen unseres Aufenthaltes fahren wir mit dem Jeep bis in den wenig bekannten Osten des Landes. Unterwegs besuchen wir unzählige Dzongs, wie die befestigten Klosteranlagen genannt werden. Heute sind in diesen burgähnlichen Gebäuden neben Mönchsklostern oftmals auch die Büros der regionalen Verwaltungs- und Regierungsstellen untergebracht. Die Dzongs wurden meist an strategisch wichtigen Punkten errichtet und thronen deshalb auf Hügelketten, majestätisch das Tal überblickend. Der für uns eindrücklichste Dzong ist jener von Punakha, idyllisch am Zusammenfluss der Flüsse Mo und Pho gelegen. Er besticht mit seiner Grösse und der Schönheit seines Tempels- und Klosterbereiches.

Nachdem Überqueren des Yotang-Passes erreichen wir Bumthang in Zentralbhutan. Diese Region besteht aus drei Tälern, dem Chhume-, Choskhor- und Uratal. Der Ort Jakar im Choskhortal ist wirtschaftliches Zentrum Bumthangs. In seiner näheren Umgebung befinden sich viele Kloester, Tempel und religiöse Gedenkstätten. Die meisten haben einen Bezug zum Besuch von Guru Rinpoche in Bumthang im Jahre 746. In den Kloestern besichtigen wir alte Wandmalereien, die ältesten aus dem vierzehnten Jahrhundert. Sie sind zum Teil noch im sehr guten Zustand und hinter dicken Vorhängen vor Lichtstrahlen geschützt. Bumthang ist auch ein Zentrum der landwirtschaftlichen Produktion. Hier dominieren Ackerbau, Viehzucht mit Milchwirtschaft, Apfelplantagen und Honigproduktion. Der Schweizer Fritz Maurer brachte den Bhutanesen die Produktion von Käse, Apfelsaft und gar Bier bei. In der Swiss Farm können die Produkte frisch ab Bauernhof gekauft werden.

Bis wir Trashigang im Osten Bhutans erreichen, steht uns eine lange Tagestour mit dem Jeep bevor. Zuerst fahren wir ins schöne Uratal. Dazu müssen wir den 3590 Meter hohen Shertang-Pass überqueren. Unterwegs haben wir Blick auf den höchsten noch unbestiegenen Berg des Landes, den Gangkhan Puensum (7541 M.ue.M). Er wird auch in den nächsten Jahren unbestiegen bleiben, ist doch seit Jahren in Bhutan das Erklimmen von über 6000 Meter hohen Gipfeln aus Rücksicht auf das religiöse Empfinden der Bhutanesen gesetzlich untersagt. Bevor wir die Region Bumthang verlassen, legen wir einen Halt im idyllisch gelegenen Bergdorf Ura ein. Das Dorfbild wird vom grossen Kloster dominiert. Bei unserem Besuch können wir auf dem Klosterplatz den Tänzern bei der Probe zum in den nächsten Tagen stattfindenden Tsechu beiwohnen.

Weiter geht es über den nächsten Pass, den Thrumshing La (3750 M.ue.M). Die Strasse führt spektakulär den steilen Felshängen entlang. Man musste den Weg regelrecht in den kliffartigen Felsen sprengen. Wir erreichen bald die Ortschaft Mongar, wo die Strasse erneut zum Kori La, einer 2400 Meter hohen Passhöhe, ansteigt. In Haarnadelkurven geht es dann abwärts in den Talboden. Nach der Überquerung der Brücke bei Chazam und der Registrierung bei der Polizei sind es noch zehn Kilometer bergauf bis ins Tagesziel Trashigang. Dort treffen wir nach insgesamt zehnstündiger kurviger Fahrt ein. Der Kern des Ortes bildet der Dorfplatz mit einer riesigen Gebetsmühle in seiner Mitte. Am nächsten Tag sind es nochmals drei Stunden bis nach Trashiyangtse, einem Ort nahe der Grenze zu Indien. Am Dorfeingang steht die Chorten Chora, eine riesige weisse Stupa. Sie soll jener in Bodhnath in Nepal nachgebildet sein. Allerdings weicht sie vom Original ab, weil die Erbauer ihre Form in Nepal in einen Rettich eingeschnitzt haben sollen, der auf der Reise nach Bhutan aber geschrumpft sei.

Nach dreieinhalb Wochen sind wir erstmals in der Hauptstadt Thimphu, einer stark wachsenden Kleinstadt mit wenig Charm. Auf dem grossen Festplatz findet gerade ein nationaler Wettkampf im Bogenschiessen, dem hiesigen Nationalsport, statt. Die bhutanesischen Regeln weichen von den internationalen ab. So beträgt die Distanz zum Ziel stattliche 140 Meter, während die olympische Distanz lediglich 50 Meter beträgt. Es ist auch erlaubt, den Gegner während der Schussabgabe zu stören. Eine Gruppe von Trachtenfrauen steht unmittelbar neben dem Bogenschützen, schreit lauthals und schwenkt dabei farbige Tücher. Wurden früher einfache Bambusbogen eingesetzt, hat auch hier die moderne Technologie Einzug gehalten. Die Wettkämpfer benutzen ultraleichte Titanbogen eines amerikanischen Produzenten. Vor, während und nach dem Wettkampf fliesst unter den Wettkämpfern reichlich Alkohol.

Einen der Höhepunkte einer Bhutanreise sparen wir für den Abschluss auf: Den Besuch des Bergklosters Taktshang. Das nach einem Brand zerstörte und kürzlich wieder eröffnete Kloster scheint regelrecht an den senkrechten Felswänden zu kleben. Der Aufstieg zum 900 Meter höher gelegenen Kloster ist nur zu Fuss möglich.

Wir verlassen Bhutan, das Land des Donnerdrachens mit einem Airbus der staatlichen Fluggesellschaft Druk Air. Bei wunderschönem Wetter fliegen wir auf dem Weg nach Kathmandu an den hohen Himalayabergen vorbei und können erstmals einen Blick auf den Mt. Everest, den höchsten Gipfel der Welt, werfen.

Bhutan liegt hinter uns, wir freuen uns auf neue Reiseerlebnisse in Nepal.

*so begrüsst man sich in BHUTAN

 

 

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