Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht Kalimantan

06.07. - 19.07.2004

Grüezi - Selamat Datang*

Wir erreichen den indonesischen Grenzort Tarakan nach einer dreistündigen Bootsfahrt auf ruhiger See. Der Einreisebeamte ist sehr neugierig und stellt uns einige Fragen. Wir haben den Eindruck, er würde uns am liebsten gar nicht einreisen lassen. Wir haben uns jedoch vorgängig ein Visum besorgt, was ihn schliesslich dazu bewegt, missmutig die notwendigen Stempel in unsere Pässe zu knallen. Da das Boot für unsere Weiterreise von Tanjung Selor von einem anderen Pier abfährt, machen wir uns zu Fuss auf den Weg. Doch als wir nach einer halben Stunde dort eintreffen, sind für das nächste Boot schon sämtliche Plätze ausverkauft. Das zwingt uns, hier zu übernachten. Bevor wir uns auf Zimmersuche begeben, reservieren wir uns zwei Plätze im ersten Boot am nächsten Morgen. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich äusserst schwierig. Die Hotels in der Nähe des Bootsterminals sind ausgebucht. Doch wir haben Glück und finden ein Zimmer in einem Losmen, wie man hier die einfachen Familienpensionen nennt. Der Kaffee, den wir nach einem feinen Padang-Znacht bestellen, bleibt uns als schrecklich und ungeniessbar in Erinnerung.

Ein kleines Motorboot steht für uns am nächsten Morgen bereit. Auf die 25 Plätze verteilen sich schliesslich rund 35 Passagiere und viel Gepäck. Selbst der Pilot, der das überfüllte Boot über die Dachluke besteigt, muss seinen Sitz mit einem Passagier teilen. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir die mit Mangrovenwäldern gesäumte Küste und biegen in die Mündung eines Flusses ein. Unsere Hoffung, in Tanjung Selor mit dem bereitstehenden Bus weiterzureisen, wird schnell zerstört. Sämtliche Plätze sowie der Zwischengang sind belegt und Stehplätze will man uns Touristen nicht anbieten. Wir kaufen stattdessen die Plätze in der ersten Sitzreihe des nächsten Busses, der zwei Stunden später losfahren soll. Der kurze Aufenthalt gibt uns die Gelegenheit, an einem Essensstand einen Kaffee zu trinken und feines Gebaeck zu probieren. Bald sind wir mit den Einheimischen im Gespräch. Zur Verständigung setzen wir unsere sehr einfachen Kenntnisse der indonesischen Sprache ein, reden in Englisch oder gebrauchen die Gebärdensprache. So vergeht die Zeit im Nu. Die Fahrt mit dem Bus ist abenteuerlich: gut gefüllter Bus, nicht das allerneuste Modell und Strassen, die sich in sehr unterschiedlichem Zustand präsentieren. Geteerte Abschnitte wechseln sich mit Schotterpisten ab. Auch ein Reifendefekt darf natürlich nicht fehlen. Aber wozu hat man schliesslich einen Reservereifen? Nach fünf Stunden erreichen wir die Stadt Berau. An der Uferpromenade reihen sich hier allabendlich Essenstände und Kaffeeshops aneinander. Die Einheimischen sitzen zusammen und geniessen die Zeit, während die untergehende Sonne den Himmel immer wie röter färbt. Vor der Weiterreise nach Samarinda bleibt uns am nächsten Morgen noch Zeit um zu frühstücken. Wir bestellen Tempe Goreng. Das sind frittierte Tofuplätzchen, die köstlich schmecken. Die Busfahrt gleicht jener von gestern. Ein alter Bus, viele Fahrgäste und eine Fahrt auf mehrheitlich holpriger Schotterstrecke. Wir fahren durch Urwald, der nur selten von Siedlungen unterbrochen wird. Es begegnen uns viele mit Holz beladene Lastwagen, die oft in atemberaubender Geschwindigkeit an uns vorbei donnern. Dazwischen darf auch ein kurzer Gewitterregen nicht fehlen. Die Fahrt dauert und dauert, und das Sitzen wird immer unbequemer. Schliesslich wird es dunkel. Es ist zwei Uhr nachts, als wir in Samarinda ankommen. Ein Taxi bringt uns zu unserem ausgewählten Hotel. Dort teilt man uns mit, sämtliche Zimmer seien ausgebucht. Wir fragen hartnäckig nach, worauf man uns noch zwei Einzelzimmer anbieten kann. Wir wollen nach der 14 stündigen Busfahrt nur noch eines, nämlich schlafen. Da macht es uns auch nichts aus, in getrennten Zimmern zu übernachten. Die Nacht ist kurz, und nach wenigen Stunden Schlaf machen wir uns auf die Suche nach einem freien Hotelzimmer. Doch irgendwie scheint sich alles gegen uns verschworen zu haben. Denn sämtliche Hotels, sogar die teuren, sind über das Wochenende ausgebucht. Zu allem Unglück beginnt es noch zu regnen. So ändern wir kurzfristig unseren Plan und nehmen am Nachmittag bereits die Weiterreise in Angriff. Im Nachtbus nach Banjarmasin verbringen wir eine weitere anstrengende Reise. Der Bus präsentiert sich komfortabel. Die Klimaanlage lässt die Temperatur auf Kühlschrankniveau sinken und aus den Lautsprechern ertönt lauter Discosound. Dies verhindert jeglichen Schlaf der Passagiere und das Einnicken des Buschauffeurs. Kurz vor Erreichen unseres Reiseziels verbreitet sich im Reisebus ein sonderbarer Geruch. Wir halten an. Von der beginnenden Diskussion verstehen wir kein Wort. Da alle anderen Passagiere mitsamt dem Gepäck aussteigen, packen wir ebenfalls unsere sieben Sachen und warten am Strassenrand auf einen anderen Bus. Einmal mehr haben wir Glück, und ein Reisecar mit Fahrziel Banjarmasin hält an. Wir finden auf zwei Plastikstühlen im Gang noch Platz. Die ganze Fahrt hat schliesslich mehr als 18 Stunden gedauert. Wir sind froh, dass wir diesmal problemlos eine angenehme Unterkunft finden.

Banjarmasin ist die Hauptstadt Kalimantans. Die Infrastruktur konnte mit dem schnellen Wachstum der Stadt nicht mithalten. Die Strassen sind mit lärmigem Verkehr verstopft, und die stinkenden Abgase verpesten die Innenstadt. Neben modernen Personenwagen prägen ältere Modelle, dreirädrige Taxis und Fahrradritschkas das Bild auf den Strassen. Die Elektrizitätsversorgung ist mit der raschen Zunahme der Bevölkerung überfordert. Als wir eines Abends in unser Gästehaus zurückkehren, liegt das ganze Quartier im Dunkeln. Man erklärt uns, dass jeden Abend abwechslungsweise ein Quartier ohne Strom sei.

Wer Banjarmasin besucht, darf den schwimmenden Markt auf dem Martapura Fluss nicht verpassen. Dort bieten die Marktfahrer auf ihren Booten Gemüse, Früchte und Reis an. Souvenirboote wie an manchen schwimmenden Märkten in Thailand findet man hier keine. Auch für das leibliche Wohl der Marktbesucher ist gesorgt. Das Angebot auf dem Frühstücksboot lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Von unserem Boot aus picken wir mit einem langen Holzstab, an dessen Ende ein Nagel steckt, einige Köstlichkeiten heraus. Dazu reicht man uns Tee oder Kaffee. Die Rückfahrt führt uns mit dem Boot durch die unzähligen Wasserstrassen der Stadt. Wir beobachten die Bewohner der sehr einfachen Hütten beim Waschen und Baden am Fluss. Sie winken uns zu und lachen - trotz der einfachen Lebensverhältnisse scheinen die Menschen hier glücklich zu sein.

Mit einem vollbesetzten Wassertaxi machen wir einen Ausflug flussaufwärts nach Tawan. Wir beobachten das Leben am Fluss, passieren kleine Dörfer und schauen den Passagieren beim Ein- und Aussteigen zu. In der Endstation Tawan trinken wir mit dem Bootsführer und seinem Gehilfen Tee. Einmal mehr sind wir für die Dorfbewohner die Attraktion des Tages. Die Rückfahrt zieht sich in die Länge, da wir in jedem Ort anhalten und auf zusteigende, zahlende Passagiere warten.

Von Banjarmasin geht es weiter nach Pangkalanbun. Und erneut steht uns eine lange, anstrengende Reise mit dem Bus bevor. Die erste Etappe führt uns nach Palangkaraya, wo wir nach sechs Stunden Fahrt eintreffen. Wir wechseln den Bus und nach zwei Stunden Aufenthalt geht es weiter. Die endlos scheinende Fahrt im Dunkeln über holprige Strassen auf unbequemen Sitzen wird zur Tortour. Wir sind froh um jeden noch so kurzen Stopp. Und als wir Pangkalanbun bei Tagesanbruch erreichen, legen wir uns als erstes auf eine harte Bank bei der Busstation. Wir wollen jetzt einfach unsere Ruhe haben und versuchen noch etwas zu schlafen. Die 17 Stunden im Bus haben uns ziemlich zugesetzt. In der kleinen Provinzstadt finden wir später ein sauberes Hotelzimmer. Der erste Schluck Kaffee des Tages lässt unsere Lebensgeister wieder erwachen. Auf einem Spaziergang durch die Stadt entdecken wir sogar eine Eisdiele: Die Avocadomilchshakes und die Kokosnussglace schmecken ausgezeichnet!

Konnten wir uns bisher bei der Reise durch Kalimantan an mehr oder weniger fahrplanmässig verkehrende Transportmittel halten, müssen wir uns hier hartnäckig durchfragen. Wann und wo das Boot für die Weiterreise nach Kotawaringin fährt, kann uns niemand sagen. Die Boote fahren wahrscheinlich los, wenn genügend Passagiere da sind. Am nächsten Morgen sind wir sehr frueh bei den Booten. Es braucht sieben bis acht Passagiere bis sich der Pilot zur Abfahrt entscheidet. Nach einigem Warten und Diskussionen um den Fahrtpreis und darueber, in welches Boot wir einzusteigen haben, sitzen wir in einem der kleinen Motorboote. Die Fahrt auf dem Fluss wird bei Sonnenschein und blauem Himmel zu einem wunderbaren Erlebnis. Sattgrüner Dschungel links und rechts, wir sehen sogar einen der seltenen Nashornvögel über unsere Köpfe fliegen. In Kotawaringin, nach eineinhalb Stunden Fahrt, hilft man uns rasch zum nächsten Transportmittel, einem Vierradangetriebenen Jeep. Nach weiteren eineinhalb Stunden auf der Holzfällerstrasse sind wir bereits in Sukamara. Auch hier ist man sehr hilfsbereit und man will uns gleich aufs Boot verfrachten. Doch vor der Weiterfahrt nach Manismata trinken wir einen Eistee und essen eine Kleinigkeit. Weiter geht es dann im mit sechs Personen besetzten Boot durch traumhaft schöne Flusslandschaften. In Manismata werden wir herzlich willkommen geheissen. Schliesslich kommen nicht jeden Tag zwei Touristen an. Wir werden ins beste Gästehaus begleitet und bekommen ein wirklich schönes Zimmer. Beim Rundgang durchs Dorf und beim anschliessenden Nachtessen sind wir ständig von Kindern umringt. Sie wollen sich diese Attraktion nicht entgehen lassen. Die Verständigung untereinander ist unkompliziert: Sie gebrauchen die wenigen Brocken Englisch, die sie kennen, und wir versuchen uns im indonesisch sprechen. Dabei wird herzlich und viel gelacht.

Am anderen Morgen steht der Bus zur Weiterfahrt bereit. Es ist ein nicht mehr taufrisches Modell. Um sechs Uhr soll es losgehen, oder ist es doch erst um sieben Uhr? Die Fahrgäste wären da, sie warten nur noch auf den Buschauffeur. Um halb acht starten wir zu unserer langen Reise. Anfangs führt der Weg durch unendlich weite Palmölplantagen, dann wird die Strasse zusehends schlechter. Entweder hat es grosse Schlaglöcher oder es ist so sumpfig und matschig, dass der Bus bis zur Achse in den tiefen, mit Wasser gefüllten Furchen, die andere Fahrzeuge hinterlassen haben, einsinkt. Der Bus schaukelt oft bedrohlich, doch er kippt nicht. Plötzlich drehen die Hinterräder durch - es gibt kein Weiterkommen. Wir sitzen im Schlammloch fest. Wir steigen aus und machen uns aufs Schlimmste gefasst: Einer Übernachtung mitten in der Wildnis. Doch die Busfahrer sind hier für jede Situation ausgerüstet. Sie schlagen etwa 15 Meter vor dem Bus eine Eisenstange in den Boden und befestigen daran ein Seil, das schliesslich an die Hinterachse gebunden wird. Durch das Drehen der Hinterachse wickelt sich das Seil auf und der Bus zieht sich mit eigener Motorenkraft aus dem Sumpf. Dieses Prozedere wiederholt sich auf der weiteren Fahrt noch einige Male. Zudem hat der Chauffeur mehrere technische Probleme zu beheben: Zuerst verursacht die unter einer Sitzbank installierte Autobatterie einen kleinen Schwelbrand, was die beiden dort sitzenden Passagiere veranlasst, laut schreiend aus dem fahrenden Bus zu springen. Von nun an muss der Bus nach jedem Halt von uns Fahrgästen angestossen werden. Und schliesslich fahren wir nur noch im zweiten Gang durch die Gegend, da es dem Fahrer nicht mehr gelingt, in die höheren Gänge zu schalten. Trotz diesen Widrigkeiten erreichen wir nach 13 Stunden die Stadt Ketapang. Wer hat uns eigentlich erzählt, die Fahrt dauere lediglich sieben Stunden?

Die Weiterreise nach Pontianak planen wir mit dem Schnellboot über das Meer. Zuerst müssen wir uns aber noch die Tickets besorgen. Bei der Schiffsstation scheint es keine Verkaufsstelle zu geben. Und zurück in der Stadt müssen wir feststellen, dass sämtliche Plätze für den nächsten Tag besetzt sind. Wir versuchen unser Glück noch in einem Reisebüro-. Dort kann uns eine nette Dame gerade noch einen Sitzplatz anbieten. Wir erklären ihr, dass wir am nächsten Tag unbedingt zu zweit nach Pontianak weiterreisen müssen. Und siehe da, nach einem kurzen Telefonat ist sie bereit, uns zusätzlich noch einen, wohl nicht ganz offiziellen, Stehplatz anzubieten. Wohl bemerkt zum gleichen Preis wie jener des Sitzplatzes. Das Schnellboot fährt am nächsten Morgen um halb acht. Wir stellen fest, dass wir nicht die Einzigen sind, denen man Stehplätze auf dem Deck verkauft hat. Anscheinend ist dies eine gängige Praxis. Christian kommt in den Genuss des Sitzplatzes und ihm wird zum fünften Mal der neuste Kinohit "Journey around the World in 80 Days" vorgeführt. Anscheinend haben sämtliche Transportunternehmen in Malaysia und Indonesien nur gerade diesen Streifen für ihre Videoanlagen auf Lager. Kurz vor Ende der sechsstündigen Fahrt verschlechtert sich das Wetter und Pontianak begrüsst uns auch beim zweiten Besuch mit einem heftigen Gewitterregen. Hier sind wir am 27. Mai zu unserer Borneorundreise gestartet und nach siebeneinhalb Wochen schliessen wir die Umrundung dieser grossen Insel ab. Mit der Busfahrt nach Kuching in Ostmalaysia und dem Weiterflug nach Hongkong nimmt unsere Reise durch Südostasien ihr Ende.

Asien liegt hinter uns, wir freuen uns auf weitere Erlebnisse in der Südsee und in Australien.

*so begrüsst man sich in Indonesien

Topps und Flopps Kalimantan

Topps

  • Avokadoshakes
  • Flussfahrten
  • Nasshornvogel (Hornbill)

Fopps

  • Fusspilz Lea
  • Kleiderwäsche im Hotel in Banjarmasin
  • Hitzschlag Lea

 

 

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