Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht Kambodscha

5. März bis 28. März 2004

Gruezi - Sua s'dai*

Kambodscha - wie hat sich dieses Land in den letzten vier Jahren verändert. Bei unserem ersten Besuch im Jahr 2000 fühlten wir uns nicht so wohl. Nach den politischen Unruhen 1997 und der anschließenden Schlussoffensive der Militärs gegen die letzten Truppen der Roten Khmer war es erst ab 1998 für Touristen wieder relativ sicher, Kambodscha zu besuchen. Viele Orte waren noch nicht zugänglich, die Strassen mehrheitlich in einem schlechten bis miserablen Zustand und auch für die Kambodschaner war der Umgang mit den Barangs, wie die westlichen Touristen genannt werden, noch neu und ungewohnt. Heute sind wir voller Erwartungen, wie sich Land und Leute zwischenzeitlich verändert und entwickelt haben.

Der Name Kambodscha findet seinen Ursprung im Wort "Kambu - ja", was "der von Kambu Abstammende" bedeutet. Kambu ist der Gründer des Landes. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von 181'000 km2. Es leben fast 12 Mio. Menschen im Land. Bis zum Jahr 2020 dürften es mehr als 20 Mio. sein. Die größte Stadt ist Phnom Penh, deren Einwohnerzahl 1 Mio. übersteigt. Die Gesundheitssituation ist eines der Hauptprobleme Kambodschas: Das Land weist die höchste Kindersterblichkeit in Südostasien auf, jedes zehnte Kind stirbt bevor es fünf Jahre alt wird, jedes zweite Kind unter fünf Jahren ist untergewichtig. Die Lebenserwartung ist tief. Für Männer liegt sie bei 54 Jahren, für Frauen bei 59 Jahren. Es besteht ein markantes Ungleichgewicht in den Altersgruppen: 50 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre.

Nach jahrelangem Buergerkrieg befindet sich die Wirtschaft immer noch am Boden. Die Korruption verhindert eine Besserung. Puk roluy, der Khmer-Ausdruck für Korruption, ist alltäglich. Als Tourist bemerkt man diese vor allem bei staatlichen Institutionen wie Zoll, Post und Bahn. Am Zoll bezahlen wir ein paar Dollars für die notwendigen Einreisestempel und auf der Post oder bei der Bahn beträgt der Wert eines US-Dollars plötzlich nur noch 3'900 Riel anstatt der auf den Märkten akzeptierten 4'000.

Wir überqueren die Grenze von Laos im Norden von Stung Treng. Nach der Ausreise aus Laos müssen wir vor der Weiterfahrt mit dem Boot zuerst zur Zollstation, die am gegenüberliegenden Ufer liegt. Eigentlich wollen wir mit dem Slow Boat von Voen Kham nach Stung Treng, doch aus für uns unerklärlichen Gründen soll es derzeit keine Slow Boats für Touristen geben. Stattdessen warten lärmige, kleine und für Kambodschanische Verhältnisse teuere Schnellboote auf uns, die Fahrt kostet pro Person 10 US-Dollar (im Verhältnis zum Kambodschanischen Durchschnittseinkommens von monatlich 24 US-Dollar ein Vermögen). Nach mehreren Stunden ergebnislosem Warten auf ein Slow Boat, es soll eines flussaufwärts unterwegs sein, quetschen wir uns schliesslich doch noch in ein derartiges Schnellboot. Gegen einige der begehrten Dollars erhalten wir am Zoll auch die notwendigen Einreisestempel. Dann geht es los: Mit lautem Getöse rasen wir auf dem Mekong Richtung Stung Treng. Wir können immer noch nicht begreifen, dass wir uns jetzt in einem dieser ungeliebten Schnellboote befinden. Viel lieber würden wir gemütlich auf einem langsamen Boot flussabwärts tuckern. Die zweistündige Fahrt führt teilweise durch recht seichtes Wasser. An einem Ort müssen wir sogar aussteigen und zu Fuss eine Halbinsel durchqueren. Es ist ein lustiges Schauspiel, das sich hier präsentiert: Ein paar Touristen durchqueren in Einerkolonne die trockenen Reisfelder und alle sind mit Schwimmweste ausgerüstet. Landschaftlich ist die Fahrt sehr abwechslungsreich, karges Gebiet wechselt sich mit sehr fruchtbaren Regionen ab. Wir sind schliesslich froh, heil in Stung Treng anzukommen. Kaum aus dem Boot ausgestiegen, werden wir von jungen Kambodschanern umzingelt. Sie wollen uns alle in ein Guesthouse führen, natürlich jeder in sein eigenes. Wir gehen jedoch direkt weiter nach Ban Lung, in der Provinz Ratanakiri. Diese abenteuerliche Fahrt werden wir nicht so schnell vergessen: Sieben erwachsene Personen in einem normalen PKW unterwegs auf der unebenen, mit Löchern übersäten Staubstrasse. Nachdem wir vier Stunden durchgeschüttelt wurden, kommt in Ban Lung die nächste Überraschung: Für vier Touristen gibt es gerade noch ein freies Hotelzimmer. In den Augen unseres Taxichauffeurs ist dies zudem kein richtiges Hotel. Wir steigen hier trotzdem ab und merken erst später, dass hier die Hotelzimmer pro Stunde bezahlt werden. Wir teilen das Zimmer mit dem im PKW mitreisenden Ehepaar aus Kanada.

Ban Lung, im Nordosten des Landes und nur wenige Kilometer von Vietnam entfernt, gilt als Kambodschas wilder Westen. Die Region Ratanakiri weist viele ethnische Minoritäten auf. Die Provinz ist vor allem in der Regenzeit schwer zugänglich. Die dschungelartige Region ist sehr idyllisch und wir genießen im glasklaren Wasser des Boeng Yeak, einem Kratersee mit 500 Meter Durchmesser, ein erfrischendes Bad. Der See soll vor vielen Jahren nach einem Vulkanausbruch entstanden sein.

Wieder zurück in Stung Treng fahren wir gemütlich mit dem Boot auf dem Mekong nach Kratie, dem Zuhause der vom Aussterben bedrohten Irrawaddy-Delphine. Es ist beeindruckend, wie elegant sich diese grossen Tiere im Wasser bewegen. Sie erreichen im ausgewachsenen Zustand etwa 1.50 Meter Länge. Es soll im ganzen Mekong gerade noch 60 Exemplare dieser Tierart geben. Sie sind durch den Fischfang und die zunehmende Wasserverschmutzung stark in ihrer Existenz bedroht. Neben uns ist auch das kambodschanische Fernsehen an dieser Sehenswürdigkeit und Touristenattraktion interessiert und wir werden bei unserem Besuch vom Journalisten interviewt. Ob wir je im kambodschanischen Fernsehen zu sehen sein werden, bleibt ein ungelüftetes Geheimnis.

Weiter geht es flussabwärts nach Kampong Cham, der drittgrößten Stadt Kambodschas. Wir mieten Fahrräder und besuchen den auf einem Berg gelegenen Wat Hanchey. Er stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die Aussicht von hier oben auf den Mekong ist grandios. Die Fahrt dem Fluss entlang führt uns durch unzählige am Fluss gelegene Dörfer. Die Dorfbewohner winken uns freundlich und die Kinder rufen uns immer wieder "Hello Hello" zu. Wehe, wenn wir nicht antworten, das Schreien wird dann nur noch lauter. Bei Kampong Cham liegt auch die Insel Koh Paen. Sie ist mit einer Bambusbrücke mit dem Festland verbunden. Hier scheint für uns die Uhr stehen geblieben zu sein. Einfache Holzhäuser, Ochsenkarren und viele Fahrräder prägen das Bild. Die Bewohner bepflanzen grosse Felder mit Tabak. Die Blätter werden später getrocknet und zu wohlriechendem Tabak verarbeitet. Die ganze Insel scheint mit dieser Tätigkeit beschäftigt zu sein, immer wieder sind Gruppen von Leuten in den Tabakfeldern oder vor den beheizten Trocknungsanlagen anzutreffen.

Erneut kann unser Plan, mit einem Boot nach Phnom Penh zu fahren, nicht in die Tat umgesetzt werden. Es scheint kein Boot nach Phnom Penh zu geben. Unser hartnäckiges Nachfragen bleibt diesmal ergebnislos. Allgemein nimmt die Bedeutung der Schifffahrt auf dem Mekong ab. Der fortschreitende Ausbau der Strassenverbindungen bietet schnellere und billigere Transportmöglichkeiten. Uns bleibt nur die Variante mit dem Minibus. Wir staunen nicht schlecht, wie viele Leute in so einem Bus Platz haben. Wir zählen 16 Erwachsene und 4 Kinder. Dieselbe Fahrt würde in der Schweiz mit zwei Bussen durchgeführt. Zum Glück hat die Regierung in den letzten Jahren massiv in den Strassenbau investiert und die wichtigsten Verbindungen weisen sehr gute Strassen auf. Man hat zur Finanzierung sogar Straßenzölle eingerichtet. Die Strasse nach Phnom Penh gehört zu einer der am besten ausgebauten im ganzen Land.

Phnom Penh ist praktisch nicht mehr wiederzuerkennen: Viele neue Hotels und Gasthäuser, Geschäfte jeglicher Art, teilweise neue Strassen, erste Hochhäuser und luxuriöse Shoppingcenters sind anzutreffen. Auf den Strassen herrscht im Gegensatz zu vor 4 Jahren ein großes Chaos - Autos, hunderte von Mopeds und nur ab und zu noch ein Fahrrad oder eine Fahrradritschka. Wir sind beide keine Liebhaber von Städten und wir haben die Sehenswürdigkeiten, die diese Stadt zu bieten hat, bereits besichtigt. Wir haben deshalb nicht die Absicht, lange hierzu bleiben. Der Besuch eines Marktes ist jedoch immer zwingend für uns. Der Psar O Russei, einer der größten und ältesten Märkte in Phnom Penh, hat sich nicht gross verändert. Grosse Menschenmengen zwängen sich durch die engen Korridore, das Angebot ist riesig und es wird überall verhandelt. Etwas, was uns bei unserem Besuch auffällt, sind die vielen Schönheitssalons. Überall können sich die Frauen die Finger- oder Zehennägel lackieren oder sich schminken lassen. Die Frauen in Kambodscha sind übrigens sehr eitel und legen grossen Wert auf ihr Aussehen. Viele Frauen lächeln verlegen, wenn sie uns beim Zusehen ertappen.

Bevor wir Phnom Penh wieder verlassen, essen wir im Restaurant "Friends". "Friends" ist eine Hilfsorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Strassenkinder in die Gesellschaft zu reintegrieren. Jüngeren Kindern wird der Schulbesuch ermöglicht und für ältere Kinder werden Arbeitsplätze gesucht. Durch die Arbeit von "Friends" können über 1'800 Kinder erreicht werden. Immer noch zuwenig, wenn man weiss, dass in den Strassen Phnom Penhs 10'000 bis 20'000 Kinder leben und arbeiten. Die Zahl steigt stetig, nicht zuletzt deshalb, weil der soziale und wirtschaftliche Graben zwischen Stadt und Land drastisch zunimmt. Deshalb ziehen immer mehr Familien in die Stadt und erhoffen sich dort ein besseres Leben. Doch die Realität sieht anders aus. Die Kinder dieser Familien müssen durch Strassenarbeit ihre arme Familie unterstützen. An unserem Restaurantbesuch erfreuen sich die als Kellner arbeitenden ehemaligen Strassenkinder, zudem geht ein Teil des Umsatzes in das unterstützungswürdige Projekt.

In einem topmodernen, klimatisierten Bus fahren wir nach Sihanoukville, dem Badeort Kambodschas am Golf von Thailand. Der Ort bietet viele schöne Sandstrände und die Zahl der Touristen hält sich heute noch in Grenzen. Die sich im Bau befindenden Hotel- und Casinoprojekte weisen jedoch darauf hin, dass sich in den nächsten Jahren viel verändern wird. Der Ausbau der Infrastruktur hat zum Ziel, möglichst viele zahlungskräftige thailändische und taiwanesische Touristen anzuziehen. Diese Entwicklung hat auch negative Seiten, zum Beispiel Prostitution, Paedophilensextourismus und die Problematik AIDS. Unter den Prostituierten ist der Anteil an AIDS Infizierten von 10 % im Jahr 1992 auf rund 40 % im Jahr 1996 angestiegen. Kambodscha weist unter den asiatischen Ländern die höchste Rate auf. Obwohl die Prostitution in Kambodscha offiziell verboten ist und die Regierung mit harten Verurteilungen droht, sieht die Realität ganz anders aus.

Nördlich von Sihanoukville liegt der Bokor Nationalpark, eines der größten Naturschutzgebiete Kambodschas. In den tropischen Wäldern und Hochebenen gibt es noch einige der vom Aussterben bedrohten wildlebenden asiatischen Elephanten sowie asiatische Tiger. Innerhalb der Parkgrenzen liegt auf 1'080 Meter über Meer die Bokor Hill Station, ein durch die Franzosen anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts errichteter Ferienort. Die verbleibenden Ruinen, insbesondere der katholischen Kirche und des alten Bokor Palace Hotels weisen darauf hin, dass der Ort für damalige Verhältnisse mehr als exklusiv war. Im Nebel des Morgengrauens wirkt die Gegend geisterhaft und romantisch zugleich. Während unserem Aufenthalt auf dem Berg treffen wir auf ein koreanisches Filmteam, das die Gemächer des alten Hotels als Kulisse für einen Militärfilm nutzt. Die einzigen Bewohner der Hochebene sind die Parkwächter in der Ranger Station. Sie bieten einfache Übernachtungsmöglichkeiten an. Bei Überbelegung können die Touristen in Zelten, die Kambodschaner nennen diese "Plastikhäuser", übernachten.

Unweit des Parks liegt die idyllisch am Prek Kampong gelegene alte Pfefferstadt Kampot. Am Flussufer treffen wir auf guterhaltene, alte französische Kolonialhäuser. Seit der Gründung von Sihanoukville 1959 hat der Ort zunehmend an Bedeutung verloren. Das gleiche gilt für den Kuestenort Kep. Die Franzosen nannten den früheren Badeort "Kep-sur-Mer". Sie legten an der Küstenpromenade einen künstlichen Strand an. Der Sand dazu wurde aus der Gegend von Sihanoukville hergeführt.

Mit einem kleinen Boot wollen wir auf eine nahe gelegene Insel fahren. Schon beim besteigen des Bootes merken wir, dass es eine ziemlich wackelige Angelegenheit werden wird. Je weiter wir auf das offene Meer hinaus fahren, desto größer werden die Wellen, das Wasser peitscht an die Schiffswände und unser Boot bewegt sich auf dem Meer wie eine kleine Nussschale. Uns ist überhaupt nicht mehr wohl bei der Sache, dem Kapitän scheint es jedoch nichts auszumachen. Nachdem zu den Wellen auch noch einige heftige Windstösse kommen, wir bis auf die Haut durchnässt sind und unser Boot beinahe kentert, beschliesst der Kapitän doch noch umzukehren. Wir sind mehr als dankbar für die Umkehr und haben gar nichts dagegen. Das gegrillte Fischsteak zum Lunch schmeckt auch an einem nahegelegenen Strand gut.

In Sihanoukville wird es für Christian einmal mehr Zeit, seine Haare zu schneiden. Mit einer netten Kambodschanerin verhandelt er den Preis für einen Haarschnitt und eine Rasur. Er staunt nicht schlecht, als dazu noch eine Kopfmassage, ein Ohrenzupfen und viel Puder dazukommt.

In unserem idyllisch gelegenen Guesthouse fühlen wir uns mehr als wohl. Die sonnige Terrasse lädt gerade zum verweilen ein und es fällt uns manchmal schwer, zum Essen ins nahegelegene Zentrum zu spazieren. Ab und zu essen wir dann im Guesthouse und suchen unsere Gerichte von der westlich angehauchten Speisekarte aus. Als wir einmal auf Fruchtsalat mit Yoghurt und Muesli Lust haben, erhalten wir soviel Muesli, dass wir die einzelnen Körnli von Hand zählen können. Da bestellen wir doch das nächste Mal lieber eines der feinen Khmer-Sandwiches: Lauwarmes Baguette mit Pate, Fleischkäse, Gurken und Tomatenscheiben.

Von Phnom Penh aus verkehrt an ungeraden Kalendertagen jeweils ein Personenzug nach Battambang, an geraden Tagen fährt er die gleiche Strecke zurück. Um 6.25 h verlassen wir im Zug den Bahnhof von Phnom Penh, nach 13 Stunden oder 290 km kommen wir in Battambang an. Im Gegensatz zu unserer ersten Zugsreise in Kambodscha (siehe Spezialbericht "Mit dem Dschungelzug unterwegs"), genießen wir jetzt den Komfort von Holzbänken. Die Zugskomposition besteht aus 3 Personenwagen. Der Zustand der Sitzgelegenheiten ist unterschiedlich: zerbrochene und wackelnde Bänke sowie verrostete Stützlehnen sind an der Mehrzahl. Die Bodenlatten sind aufgerissen und in den Ritzen und Löchern tummeln sich zwischen Abfällen und Schmutz viele Käfer. Die Fensterscheiben fehlen, was die natürliche Belüftung begünstigt. Der Zug ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie vielfach in Asien fahren einige Passagiere auf den Dächern der Waggons mit. Der Zug ist ein Tummelplatz für Händler. Es werden verschiedene Esswaren angeboten und die Kambodschaner scheinen während der ganzen Zugsfahrt hungrig zu sein. Ab und zu hält der Zug in abgelegenen Dörfern. Dort scheint niemand die tägliche Zugsdurchfahrt verpassen zu wollen. Zwischen den Stationen durchqueren wir Karstgebirge, flache Regionen mit Gemüseanbau sowie viele verschiedene Palmplantagen.

Auch in Battambang, der zweitgrößten Stadt Kambodschas, spürt man noch den Einfluss der Kolonialzeit. Großzügig angelegte Boulevards und viele alte Kolonialbauten erinnern an Frankreich.

Die Weiterreise nach Siem Reap planen wir mit dem Boot. Der tiefe Wasserstand des Stung Sanker erlaubt es nicht, direkt in Battambang aufs Boot zu gehen. Wir sind gezwungen, auf der Ladefläche eines Jeeps rund 20 km bis zur Bootsanlegestelle zu fahren. Der Zustand der Strasse, wenn man überhaupt von Strasse reden kann, ist mehr als dürftig. Die Strasse führt erst durch fruchtbare Felder und dann zunehmend durch Dickicht im Sumpfgebiet. Immer wieder müssen wir den in die Strasse hängenden Ästen ausweichen oder diese abschneiden. Der Flusslauf des Stung Sanker führt uns durch unzählige Dörfer. Das Leben der Dorfbewohner ist durch das Leben am Fluss geprägt. Der Fischfang ist ihre Haupteinnahmequelle und mit grossen Netzen werden diese gefangen. Der Stung Sanker mündet schliesslich in den Tonle Sap, den größten und fischreichsten See in Südostasien. In der Regenzeit von Mitte Mai bis Oktober steigt der Pegel des Sees um bis zu 8 Meter an. Die Fläche des Sees weitet sich dabei von 2'500 km2 auf 13'000 km2 aus. Die Bewohner am Ufer des Sees wissen mit diesem Naturphänomen umzugehen: Sie bauen ihre Häuser auf meterhohen Pfählen oder wohnen auf schwimmenden Hausbooten.

Siem Reap ist Ausgangspunkt für den Besuch der weltberühmten Tempel von Angkor. Wir verzichten dieses Mal auf deren Besuch, wir kennen die Tempelanlagen noch von unserer letzten Reise. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert! Bestand der Ort vor Jahren aus zwei ruhigen Strassen so reihen sich heute Hotels, Restaurant, Souvenirshops und Reisebüros entlang der vielen neuen Strassen. Flugzeuge, Busse und Schnellboote aus Phnom Penh bringen täglich taufende von neuen Touristen nach Siem Reap. Und der Bauboom geht weiter…

Die Modernisierung der Stadt hat zur Folge, dass sich auch der Abstand von arm und reich vergrößert. Viele Kriegsversehrte, Opfer der Landminen, Kranke und Arme suchen ihr Heil als Bettler in der Stadt. Die reichen Touristen sind ein magischer Anziehungspunkt. Verständlich, wenn man bedenkt, dass der Preis für eine Tasse Kaffee in einem Touristencafe den Tageslohn eines Kambodschaners übersteigt.

Unser Grund zurück nach Siem Reap zu kommen, ist Dr. Beat Richner, bekannt unter dem Namen Beatocello. Seit anfangs der 90er Jahre lebt und wirkt Beatocello in Siem Reap und Phnom Penh. Wir besuchen Jayavarman VII, neben Kantha Bopha I und II sein drittes Kinderspital in Kambodscha. Wir spenden Blut, welches dringend benötigt wird, um die an Denguefieber erkrankten Kinder zu retten. Durch die unentgeltliche medizinische Versorgung in den drei Spitälern werden jährlich 600'000 kranke Kinder behandelt und 8'000 Operationen durchgeführt. Jeden Monat würden 2'800 Kinder ohne diese Hilfe sterben. Jeden Samstag findet in Räumlichkeiten des Spitales ein Cellokonzert von Beatocello statt. Dabei informiert er über seine Aktivitäten. Er prangert die Untätigkeit der Regierung, die weitverbreitete Korruption und das Unverständnis der Weltgesundheitsbehörde (WHO) an: Sogenannte Experten der WHO würden für eine Nacht im Hotel SOFITEL rund 340.-- US-Dollars bezahlen und anschliessend bemängeln, die Kosten seines Spitals seien für ein derart armes Land wie Kambodscha zu hoch. Dabei würden die Kosten für einen durchschnittlichen Spitalaufenthalt von 5 ½ Tagen nur 170.-- US-Dollars betragen. Es sei für ihn manchmal schwierig, diese absurde Welt zu verstehen. Jedes gerettete Kind gäbe ihm die Kraft weiterzumachen. Die Tätigkeit von Kantha Bopha sei mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Angestellten in den drei Spitälern erhalten im übrigen Löhne, mit welchen sie in Kambodscha ein normales Leben führen können, ohne auf die Korruption angewiesen zu sein. Ärzte in staatlichen Spitälern erhalten einen Monatslohn von lediglich 20.-- US-Dollars. Dies hat zur Folge, dass die Ärzte von Patienten für eine Behandlung Geld verlangen oder spitaleigene Medikamente auf dem Markt verkaufen. 95 % der Kambodschanischen Familien sind zu arm, um eine Behandlung zu bezahlen. Die Spitäler von Dr. Beat Richner sind ihre einzigen Chancen.

Siem Reap war unsere letzte Station in Kambodscha. Wir fahren mit dem Bus nach Poipet, der Grenzstation zur Thailand. Kambodscha liegt hinter uns, wir freuen uns auf neue Erlebnisse in Thailand.

*so begrüßt man sich in Kambodscha

Topps und Flopps KAMBODSCHA

Topps

  • Kühles Bad im Kratersee von Boeng Yeak Lom
  • Zugfahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh
  • Cellokonzert in Siem Reap von Beatocello

Flopps

  • Schnellboot von Voen Kham nach Stung Treng
  • Fahrt nach Ban Lung im überfüllten Taxi

 

Spezialbericht: Mit dem Dschungelzug unterwegs

Endlich beginnt unsere langersehnte Reise mit dem Zug von Sihanoukville nach Phnom Penh. Wir können die Abfahrt kaum erwarten und freuen uns wie kleine Kinder. Bereits seit mehreren Tagen haben wir uns täglich beim deutschsprechenden Bahnhofvorstand von Sihanoukville nach der Abfahrt des nächsten Güterzuges erkundigt. Wie viele andere Kambodschaner auch, wollte er uns statt der Zugsfahrt die Busreise nach Phnom Penh schmackhaft machen. Doch wir fragten hartnäckig nach der Abfahrt des nächsten Güterzugs. Der Vorstand informierte uns, dass es seit einigen Monaten keine Passagierwaggons mehr gäbe, für die wenigen Zugsreisenden stünde lediglich ein leerer Güterwagen zur Verfügung. Die Zugfahrt würde zwischen 12 und 24 Stunden dauern, so genau liesse sich das nicht sagen. Das ganze Streckennetz zwischen Sihanoukville und Phnom Penh wird seit Jahren vernachlässigt und die Zugskomposition ist schon recht altersschwach. Die Dauer der Zugfahrt ist abhängig davon, ob und wie viele Male die Lokomotive einen Defekt erleidet. Trotz diesen Unsicherheiten wollen wir diese Zugsreise machen.

Eingedeckt mit Sandwiches, Früchten und Wasser warten wir also am besagten Morgen auf die Abfahrt. Die Lokomotive sowie die Güterwagen stehen schon bereit und um 11 Uhr geht's los. Vor uns liegen etwa 250 km. Im geheimen haben wir Wetten abgeschlossen, wie viele Stunden diese Zugfahrt effektiv dauern wird. Der etwas französisch sprechende Lokomotivführer lädt uns zu sich in den Führerstand ein. Die Lokomotive hat Baujahr 1991 und wurde in der Tschechoslowakei hergestellt. Im Schritttempo fahren wir aus dem Bahnhof heraus Richtung Norden. Das Tempo könnte nicht langsamer sein, die Geschwindigkeit beträgt etwa 10 bis 15 km in der Stunde. Bald fahren wir dem Meer entlang in Richtung der Elefantenberge und des Bokor Nationalparks. Eine Zugsfahrt ist die einzige Möglichkeit, um diese dschungelartige Gegend zu durchqueren. Langsam rattert der Zug durch die Wildnis, langsam und vorsichtig, damit die einzelnen Waggons nicht aus den stark verschobenen und verbogenen Geleisen springen. Wir staunen über die Fahrkünste des Lokführers. Er scheint jeden Zentimeter der Strecke zu kennen. Wir haben bereits etwa 40 km hinter uns gebracht, als der Zug nach rund drei Stunden in Veal Renh anhält. Vorerst scheint es nur ein kurzer Stopp zu werden. In die Güterwagen werden Holzbalken und -latten eingeladen. Die Arbeiter haben keine Freude, als wir das Einladen der Holzbalken fotografieren. Was wohl der Grund dafür ist?

Der Lokführer und sein Gehilfe haben in der Zwischenzeit den Motor der Lokomotive geöffnet und beginnen heftig zu diskutieren. Es wird geschraubt, geputzt, diskutiert und plötzlich verliert die Lokomotive viel Öl. Ein Rohr wird herausgeschraubt. Es hat einen Riss und muss geschweisst werden. Ein Junge fährt mit ihm auf dem Mofa zum nächsten Spengler. Für uns heisst das, dass wir mit einem längeren Aufenthalt rechnen müssen. Nach einigen Stunden kommt das geflickte Rohr zurück. Dann erfahren wir die nächsten Neuigkeiten: Da für diese Reparatur Öl abgelassen werden musste, braucht es neues Öl. Dieses muss aber zuerst aus Phnom Penh geliefert werden. Wir werden sicher noch weitere drei Stunden warten müssen, bis das Öl mit einem Auto eintrifft. Mittlerweilen wird es bereits dunkel und wir beschliessen, uns eine Schlafmöglichkeit im ersten Güterwagen hinter der Lokomotive zu suchen. Das ist relativ schwierig, wurden doch auch in diesem Waggon Holzbalken aufgeladen. Sie liegen jetzt kreuz und quer herum. Schliesslich finden wir zwei relativ bequem aussehende, flache Holzbalken, auf welchen wir es uns so bequem wie möglich machen. Die kambodschanischen Mitreisenden haben es da viel besser. Sie haben ihre Hängematten mitgebracht, diese können sie problemlos über den Holzbalken an der Decke aufhängen. Wir beiden Barangs, so werden westliche Touristen genannt, sind ja so unerfahren. Wir lassen uns nichts anmerken und legen uns frühzeitig schlafen. Doch nach wenigen Stunden werden wir unsanft aus dem Schlaf gerissen. Laute Stimmen reden in Khmer auf uns ein, Männer leuchten uns unsanft mit der Taschenlampe mitten ins Gesicht und führen sich allgemein etwas ungehobelt auf. Mit Gesten erklären wir, dass wir bis nach Phnom Penh mitreisen werden und wir jetzt eigentlich etwas schlafen möchten. Sie lassen uns in Ruhe, doch an ein Weiterschlafen ist nicht zu denken. Es wird gelacht, laut diskutiert und der Zigarettenrauch wird uns direkt ins Gesicht geblasen. Was wir nicht alles auf uns nehmen, um mit dem Güterzug zu reisen.

Plötzlich hören wir den startenden Motor der Lokomotive. Es ist inzwischen ungefähr elf Uhr nachts. Wir sind erleichtert, dass der Zug nicht mehr länger stehen bleibt. Wir versuchen erneut zu schlafen und wälzen uns auf den staubigen und mittlerweile doch recht unbequemen Holzbalken herum. Der Rücken und die Beine schmerzen, das Einatmen der staubigen Luft ist alles andere als angenehm. Wir finden wieder etwas Schlaf und als wir erwachen, merken wir, dass der Zug erneut still steht. Wir haben keine Ahnung wo wir sind, vielleicht schon in Kampot, einem weiteren möglichen Zusteigeort für Passagiere? Es ist mittlerweile 4 Uhr in der Früh. Zum Glück geht die Zugfahrt aber bald weiter. Doch an Schlaf ist von nun an nicht mehr zu denken. Die Holzhändler beginnen nun, die Holzbalken zu sortieren. Die übrigen Passagiere werden im Güterwagen von einer Ecke in die andere geschickt. Wir können die Logik, welche hinter dem emsigen Treiben steht, überhaupt nicht nachvollziehen. Nachdem alle Holzbalken mindestens einmal umhergeschoben wurden, scheinen alle Balken am rechten Ort zu sein.

Um 7 Uhr folgt der nächste Stopp. Unsere schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt: ein weiterer Motorenschaden. Wir stellen uns auf eine längere Wartezeit ein. Doch glücklicherweise stehen wir in einem Bahnhof. Hier gibt es Kaffee und Essbares. Unglaublich, wie ausgezeichnet ein Kaffee nach einer so ereignisreichen und anstrengenden Nacht schmecken kann. Der Defekt ist nicht so gravierend und nach einigen Stunden geht es weiter. Zurück im Güterwagen realisieren wir, dass das Sortieren der Holzbalken erneut beginnt. Diesmal haben wir überhaut kein Verständnis für dieses Vorgehen. Wir beschliessen, beim nächsten Halt wieder in den Führerstand zu gehen, um der Betriebsamkeit der Holzhändler entfliehen zu können.

Im Führerstand sind mittlerweile 3 Personen, neben dem Lokomotivführer und dem Gehilfen ist noch ein Mechaniker dazugekommen. Das heisst für uns, dass wir keinen Platz mehr haben. Auf der Lokomotive finden wir noch ein relativ schattiges und geschütztes Plätzchen, jedoch völlig dem Wind und den Abgasen ausgesetzt.

In Takheo, nur noch etwa 100 km von Phnom Penh entfernt, hält der Zug erneut. Die beiden Lokomotivführer gehen gemütlich zum Mittagessen. Nach der einstündigen Mittagspause geht es weiter. Vor der Weiterfahrt müssen aber noch Waggons rangiert werden. Die Lokomotive und einige Waggons fahren vorwärts und rückwärts, Bahnangestellte pfeifen mit einer Trillerpfeife wie wild und geben mit einer roten Fahne Zeichen an den Lokführer. Wagen werden an- und abgehängt, Weichen werden von Hand umgestellt - kurz, ein emsiges Treiben auf dem Bahnhof hält Einzug. Nach einer Stunde ist der Zug in der richtigen Formation und es geht weiter. In 3 Stunden sollen wir in Phnom Penh sein.

Wir sind überrascht, als wir beobachten, wie unterwegs die vorher sorgfältig sortierten Holzbalken achtlos aus dem fahrenden Zug geworfen werden. Wir verstehen nun das vorherige Sortieren erst recht nicht.

Trotz der doch argen Strapazen genießen wir diese Zugfahrt sehr. Die Landschaften, welche an uns vorbeiziehen sind abwechslungsreich: regenwaldartige Gebiete, trockene Ebenen, Reisfelder im saftigen Grün, Palmen, Bananen - und Mangobäume.

Abends um halb acht kommen wir in Phnom Penh an. Der Zug hat für die Strecke von 256 km rund 32 Stunden gebraucht. Ohne Unterbrüche für die Behebung der Motorendefekte hätte die Reise rund 24 Stunden gedauert, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km in der Stunde ergibt.

Als wir das Bahnhofsgebäude in Phnom Penh verlassen, erinnern wir uns an den Spruch des Bahnhofvorstandes in Sihanoukville: "Eine Zugsfahrt in Kambodscha werden sie nicht so schnell vergessen". Wie recht er doch hat.

 

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