Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht Laos

7. Februar bis 5. März 2004

Gruezi - Sabaai-dii*

Nach der Überquerung der Grenze von China nach Laos ändert sich vieles abrupt. Die Strassen sind beiweitem nicht mehr in einem derart guten Zustand, die Dörfer präsentieren sich einfacher und auch unser Gefährt hat einige Jahre mehr auf dem Buckel als der letzte Bus in China. Das Tuk-Tuk, wie man die Motorradtaxis in Asien nennt, braucht für die nicht durchgehend asphaltierten 70 km bis Luang Nam Tha gut zwei Stunden. Wir geniessen die Fahrt, und uns wird langsam bewusst, dass wir endlich in Laos sind, einem Land, das wir schon seit Jahren einmal bereisen wollten. Eingeklemmt zwischen Thailand im Westen und Vietnam im Osten, ohne Zugang zum Meer, grösstenteils von Gebirge und Hochebenen bedeckt, zählt Laos auch heute noch zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Obwohl mehr als 5 x grosser als die Schweiz, leben nur rund 5 Mio. Menschen in Laos. Mit nur 18 Einwohnern pro km2 gehört Laos zu den am dünnsten besiedelten Staaten Asiens. Das Bevölkerungswachstum von jährlich 2.9 % ist hier kein Grund zur Besorgnis. Die Altersstruktur zeigt, dass 75 % der Bevölkerung jünger als 25 Jahre sind. Das Land weist starke Defizite in der Wirtschaftspolitik, im Gesundheits- und im Schulwesen auf. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug im Jahr 1997 nur 370.-US Dollars. Zwar hat Laos ein staatliches Bildungswesen, die Ausstattung und die Qualität der Schulen sind aber insbesondere in den Land- und Bergregionen des Nordens sehr dürftig. So erstaunt es nicht, dass etwa 30 % der Personen zwischen 15 und 45 Jahren Analphabeten sind. 85 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Das Alltagsleben wird demnach von den bäuerlichen Arbeiten bestimmt. Trotz des beschwerlichen Lebens sind die Laoten ein lebenslustiges Volk. Zeit steht ihnen im grossen Mass zur Verfügung. Was heute nicht besorgt wird, versucht man morgen wieder. Das Streben nach Reichtum und Wohlstand ist den meisten Laoten fremd. Trotzdem scheinen sie mit ihrem Leben weitaus zufriedener zu sein, als die meisten von uns in den westlichen Ländern. Und die Laoten verfügen über etwas, was uns oft fehlt: Ruhe und Gelassenheit.

Das erste Frühstück in Laos geniessen wir im speziellen: wir staunen nicht schlecht, als uns ofenfrische, warme Baguettes und schmackhafter Kaffee aufgetischt wird. Seit langem wieder einmal frisches Brot geniessen zu können, tut uns gut. Im allgemeinen können wir uns aber über die kulinarischen Köstlichkeiten, die Asien bietet, ganz und gar nicht beklagen. Was uns Schweizern halt am meisten fehlt ist knuspriges Brot und ein währschaftes Stück Käse.

Im Norden von Laos führt uns ein 3-taegiges Trecking in einem Naturschutzgebiet zu abgelegenen Dörfern der Akha-Minoritäten. Am ersten Tag sind wir überrascht, als uns auf dem ganzen Weg immer wieder schwer beladene Dorfbewohner entgegenkommen. Die Leute tragen ganze Kochtöpfe, Liegematten, Hühner und Wildschweine auf ihren Rücken. Wir erfahren, dass die laotische Regierung die Umsiedlung dieses Dorfes in die Stadtnähe angeordnet hat. Der neue Ort liegt nur noch 2 Stunden Fussmarsch anstelle der bisher 6 Stunden von Luang Nam Tha entfernt. Das Leben dieser Dorfbewohner gestaltet sich sehr einfach und im Einklang mit der Natur. Die Dörfer liegen meist in der Nähe eines Flusses. Die einfachen Holzhäuser werden von Holzpfählen getragen, die Grösse der Häuser ist abhängig von der Anzahl Generationen, die darin wohnen. Die Nahrung der Dorfbewohner besteht aus vielen Pflanzen des Regenwaldes: junges Efeu, Rattan und Bambus. Diese Pflanzen schmecken gekocht übrigens sehr gut. Die Dorfschule sieht bei unserem Besuch eher verlassen aus, als regelmässig besucht. Die Kinder vergnügen sich lieber mit einfachen Spielen.

Durch die Umsiedlung vieler Bergvölker versucht die Regierung, den Brandrodungsfeldbau einzudämmen. Denn obwohl jeglicher Holzschlag unter staatliche Kontrolle gestellt wurde, werden jährlich immer noch Hunderttausend Hektaren Wald illegal gerodet. Nach dem Abtransport des Holzes wird der Wald abgebrannt und es wird darauf Trockenreis angepflanzt. Diese Reisart steht nicht im Wasser, sondern gedeiht auf trockener Erde. Nach zwei bis drei Jahren ist jedoch die Fruchtbarkeit eines Brandrodungsfeldes erschöpft. Eine Folge davon ist die zunehmende Bodenerosion. Das Wasser wird in den Wäldern nicht mehr zurückgehalten, und der Wasserhaushalt wird nicht mehr natürlich reguliert. Der Monsunregen fliesst schneller ab, was zu Überschwemmungen einerseits und zu Trockenheit andererseits führt.

Von Luang Nam Tha fahren wir mit einem Tuk-Tuk nach Huay Xai. Aufgrund der schlechten Strassen und des engen und überladenen Fahrzeuges ist diese ganztägige Fahrt sehr anstrengend. Wir sind froh, dass wir die Weiterreise mit einer 2-taegigen Bootsfahrt auf dem Mekong bis nach Luang Prabang fortsetzen können. Unsere Vorfreude wird getrübt, als anstatt des erwarteten lokalen Frachtschiffes ein reines Touristenboot bereitsteht. Statt zu zweit auf dem Deck eines Frachtschiffes mitfahren zu können, befinden wir uns bald inmitten von über 100 westlichen Touristen. Die meisten von ihnen kommen hier über die Grenze von Thailand nach Laos. Trotz dieser Enttäuschung können wir uns an der landschaftliche reizvollen Flussfahrt erfreuen. Die 2-taegige Fahrt wird mit einer Übernachtung in Pak Peng unterbrochen. Da auch die Passagiere der flussaufwärts fahrenden Boote hier übernachten, gestaltet sich die Suche nach einem Hotelzimmer sehr schwierig. Das Angebot ist knapp, die besten Zimmer sind meist früh ausgebucht, und wer zuletzt kommt, muss sich mit den meist schmutzigen Zimmern begnügen. Wir sind froh, nur eine Nacht in diesem einstrassigen "Nest" verbringen zu müssen. Am Abend des zweiten Tages erreichen wir Luang Prabang. Im Gästehaus werden wir vom Besitzer spontan zur Geburtstagsfeier seiner einjährigen Tochter eingeladen. Wir geniessen die aufgetischten laotischen Speisen, darunter grüner Papaya-Salat mit Fischsauce, Fisch-Laap (feingehacktes Fischmus), laotischer Nudelsalat und in Salatblätter eingewickeltes Gemüse an würziger Sauce.

Die geschichtsträchtige alte Hauptstadt Luang Prabang gehört zum Weltkulturgut der Unesco. Durch westliche Finanzhilfe werden momentan die Strassen und Gassen erneuert. Von den einst über 60 Tempeln sind heute noch rund 30 gut erhalten. Diese machen den Reiz dieser idyllisch zwischen dem Mekong und dem Nam Khan gelegenen Stadt aus.

Der Wat Xieng Thong ist die Tempelanlage von Luang Prabang schlechthin. Das Hauptgebäude verdeutlicht den eigenen Architekturstil des laotischen Nordens: Fast bis auf den Boden gezogene Dächer und eine reiche Innenausstattung der Dachbalken und Stützpfeiler.

Aufgrund der zahlreichen Tempel sind in Luang Prabang auch sehr viele Mönche anzutreffen. Bei Sonnenaufgang beobachten wir, wie hunderte in orange Gewändern bekleidete Mönche das ihnen von den Laoten offerierte Essen einsammeln. Für die Buddhisten ist es selbstverständlich, den Mönchen frühmorgens auf ihrem Rundgang Klebreis in die Almosenschale, genannt Baat, zu legen. Essen dürfen die Mönche bis zum Mittag, den Rest des Tages verbringen sie mit dem Erlernen buddhistischer Texte, mit Meditation oder dem Erlernen von Fremdsprachen.

Während unserer Stadtbesichtigung treffen wir auf einen älteren Mann, welcher mit seinem Fahrrad als Glace-Verkäufer unterwegs ist. Auf dem Gepäckträger hat er eine Kiste montiert, worin er seine Ware kühl lagert. Mit einer Glocke macht er auf sich aufmerksam. Er begrüsst uns mit einem Wortschwall aus Französisch und Englisch. Seine Bohnen-Milch-Kokosnuss-Glace schmeckt vorzüglich. Er verabschiedet sich wiederum zweisprachig mit den gleichen Glückwünschen wie bei der Begrüssung.

Luang Prabang präsentiert sich auch als Hochburg für Touristen. Reisende aus alter Welt werden überhäuft mit Bäckereien, Internet-Cafes und Restaurant mit westlicher Menu-Karte. Es erscheint uns hier einfacher, eine Pizza zu bekommen, als ein gutes laotisches Gericht. Diese finden wir zum Glück auf dem Nachtmarkt. Der grillierte Mekong-Fisch schmeckt uns ausgezeichnet.

Für Christian wird es Zeit, seine Haare schneiden zu lassen. Wir erkundigen uns vorgängig beim Besitzer unseres Guest-Houses, wo es einen Coiffeur gibt und wieviel ein Haarschnitt für Einheimische kostet. Er nennt uns einen Preis von ungefähr 7'000 laotischen Kip, umgerechnet etwa 80 Rappen. Als wir den Coiffeur-Salon betreten, ist der Barbier gerade daran, einem Touristen einen neuen Haarschnitt zu verpassen. Der Tourist bezahlt ohne Widerrede den abgemachten Preis von 20'000 Kip. Als die Reihe an Christian ist, beginnt das Verhandeln. Der Barbier möchte natürlich jetzt auch von Christian die 20'000 Kip. Doch Christian hat nicht die Absicht, fast das dreifache des normalen Preises zu bezahlen. Nach langem Hin und Her und viel Gelaechter einigen sich die beiden auf 12'000 Kip. Wir beobachten häufig, dass viele Touristen anstandslos die geforderten Preise bezahlen ohne diese in das Verhältnis der lokalen Kaufkraft zu setzen. Dadurch wird nicht nur das Preisniveau für die Touristen, sondern auch für die Laoten selber, nach oben getrieben.

Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich die Hauptstrasse in Luang Prabang in einen Markt, auf welchem lokale Handarbeiten angeboten werden. Die Ware wird auf Bambusmatten ausgebreitet und im Schein von kleinen Glühbirnen werden wunderschöne Patch-Work Decken und Bettanzüge, Seidenkleider, Stoffhosen und -Blousen, Lampen und viele andere Souvenirs verkauft. Die Touristen sind sehr ausgabefreudig und häufig wissen die Verkäufer gar nicht, wie hoch sie die Preise ansetzen wollen. Es ist schade, dass die meisten Touristen das Feilschen um den richtigen Preis verlernt oder gar nie gekannt haben.

Von Luang Prabang fahren wir mit dem Bus Richtung Osten. Unser Ziel ist die Ebene der Tonkrüge. Die Strecke nach Phonsavan, der Hauptstadt der Provinz Xieng Khouang, führt über spektakuläre Passstrassen. Die gut ausgebaute Strasse folgt meist den steilen, mit Regenwald bedeckten Bergkämmen. Nur selten führt sie hinunter ins Tal, um einen Fluss zu überqueren. Wie üblich in Laos ist der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr sogar, im Gang stapeln sich Reissäcke oder in Getreidesäcke eingepackte Hühner. Einer der Mitreisenden führt sogar einen frisch geschlachteten Büffelschädel mitsamt Hoerner mit. Der intensive Verwesungsgeschmack bleibt auch nach dem Aussteigen des Bauern in unseren Nasen. Die laotischen Busse sind übrigens mit natürlicher Air-Condition ausgestattet: Die Fensterscheiben bleiben während der Fahrt meistens weit geöffnet. Dies hat mehrere Vorteile: Der Bus wird immer durchgelüftet; im Bus stauen sich keine Abfälle und sofern der Magen streikt, kann dessen Inhalt direkt durchs Fenster entsorgt werden.

Frühmorgens, die Laoten stehen immer kurz vor Sonnenaufgang auf, machen wir unsere geliebten Marktrundgänge. Es herrscht bereits ein emsiges Treiben und die Käufer feilschen um die Ware. Frisches Gemüse, Früchte, Gewürze und Fleisch stehen im Angebot. Die Garküchen sind bereits offen und der Duft von frischen Nudelsuppen lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wir halten uns an die laotische Essgewohnheit und ziehen eine Suppe einem europäischen Frühstück mit Spiegelei und Toast vor. Bei einer älteren Frau verhandeln wir über einen Bund von etwa 20 Bananen. Wir sind überrascht, als wir für den ausgehandelten Preis anstelle eines Bundes deren zwei erhalten. An der Mimik der Frau merken wir, dass wir sehrwahrscheinlich immer noch zuviel für die Bananen bezahlt haben. Unser Bedarf an Bananen ist nach diesem Einkauf für die nächsten Tage mehr als gedeckt. Wer Spass am Handeln und Feilschen hat, kommt auf den Märkten immer auf seine Kosten. Es gibt dort keine festen Preise. Grosse Preisnachlässe sind allerdings selten zu erzielen, da die meisten Händler nicht, ausser in Touristenzentren wie Luang Prabang, Ausländern gegenüber mit Fantasiepreisen aufwarten.

Vor den Toren Phonsavans befindet sich die geheimnisumwitterte Hochebene der Tonkrüge. Rund 300 grosse Steingefässe von einem bis drei Meter Höhe sind heute noch genauso rätselhaft wie bei ihrer Entdeckung vor hundert Jahren. Archäologen geben das Alter der Krüge mit rund 2000 Jahren an. Die örtliche Sage behauptet, ein Zement aus Büffelhaut, Zuckerrohr, Sand und Wasser sei der Rohstoff der Krüge. Eine Kalksteinhöhle mit Rauchabzug sei ihr Herstellungsort gewesen.

Nach zwei Wochen in Laos erreichen wir die Hauptstadt Vientiane. Im Vergleich zu anderen asiatischen Hauptstädte befindet sich Vientiane noch im Tiefschlaf. Alles wirkt ruhig und eher provinziell. Als Sehenswürdigkeiten sind der Patou Saz, ein gewaltiger Triumphbogen, dem l'Arc de Triomphe in Paris nicht unähnlich, und der Trath Luang, das Wahrzeichen von Laos, zu nennen. Während der Besichtigung des Trat Luang, einer 30 Meter hohen goldverzierten Stupa, werden wir durch laute Musik und Gesang auf einen Anlass im angrenzenden Tempel aufmerksam gemacht. Dort finden die Feierlichkeiten zur Mönchsweihe statt. Zwei vom Novizen zum Mönch aufgestiegene Männer werden auf Betten von ihren Familien und Freunden mehrmals um den Tempel getragen. Dazu wird auf lokalen Musikinstrumenten gespielt, es werden Lieder gesungen und die Männer trinken dazu ausgiebig Lao-Lao, den laotischen Reisschnaps. Es herrscht ein freudiges, lautes und emsiges Treiben. Für alle Beteiligten und im besonderen für die neuen Mönche sind diese Feierlichkeiten und der definitive Eintritt ins Kloster von grosser Wichtigkeit.

In Vientiane gehen wir auf die Hauptpost, um ein noch vor unserer Abreise aus der Schweiz abgeschicktes Paket abzuholen. Der Angestellte sucht in der Kiste der "Poste restante" nach unserem gelben Post-Pac. Vorerst ergebnislos. Wir sind jedoch überzeugt, dass unser Paket hier sein muss und bleiben hartnäckig. Gestenreich reden wir auf ihn ein, er soll sich auf der ganzen Post auf die Suche nach unserem Paket machen. Nach einigem Hin und Her geht er zu einer weiteren Box und findet dort überraschenderweise einen Zettel, welcher einen Hinweis auf den Verbleib unseres Paketes gibt. Kurz darauf liegt es auf dem Tresen. Für das Aushändigen verlangt er 25'000 Kip. Er begründet die Gebühr damit, dass das Paket längere Zeit aufbewahrt werden musste. Der Poststellenleiter zeigt sich aber kooperativ und nach einem kurzen Gespräch reduziert er die Gebühr auf 8'000 Kip.

Unser nächstes Ziel sind die Südostprovinzen Sekong und Attapeu. Sie sind wegen der noch schwach entwickelten Infrastruktur schwer zu erreichen und haben auch in wirtschaftlicher Hinsicht kaum Bedeutung für das Land. Erwähnenswert ist allenfalls der Anbau von Zuckerrohr und Kaffee. In Sekong suchen wir einen Bootsbesitzer, der uns auf dem Sekongfluss nach Attapeu bringen soll. Einmal mehr ist unser Verhandlungsgeschick und unsere Hartnäckigkeit gefragt. Schliesslich sitzen wir in einem kleinen Einbaumboot und erfreuen uns an der ruhigen Flussfahrt. Der Bootsführer und sein Gehilfe lotsen uns erfolgreich durch seichtes Wasser oder kräftige Strudel. Der Fluss durchquert verschlafen wirkende Dörfer, ab und zu mündet ein Zufluss über einen Wasserfall in den Sekongfluss. Die Zeit scheint in dieser Idylle stehen geblieben zu sein. Unsere beiden Begleiter sind äusserst wortkarg, während der ganzen Fahrt reden sie keine zehn Worte miteinander. Die Verständigung erfolgt in der Zeichensprache. Nach mehr als zehn Stunden auf dem Fluss sind wir froh, wieder Boden unter den Füssen zu spüren. Die Fahrt war anstrengend aber erlebnisreich.

Ein weiterer touristischer Anziehungspunkt in der ganz im Süden liegenden Provinz Champasak ist das Gebiet Si Phan Don, zu Deutsch 4000 Inseln. Diesen Namen erhielt das Gebiet weil der Mekong sich hier in nahezu unzählige Arme aufsplittet. Er erreicht in diesem Abschnitt die grösste Breite seines Flusslaufes, rund 14 km liegen zwischen den Entferntesten Armen. Und diese Arme bilden eben jene mehr als 4'000 Inseln. Viele davon verschwinden während der Hochwasserperiode in den Fluten. Spätabends kommen wir mit dem Boot auf der grössten Insel Don Khon an. In Muang Saen, einem kleinen Nest auf der westlichen Inselseite, ist die Auswahl an Gasthäusern gering. Es steht uns nur ein einfaches Zimmer zur Verfügung. Wir stören uns nicht am einfachen Standard. Doch Staub und Spinnennetze deuten darauf hin, dass das Zimmer seit Monaten, wenn nicht Jahren, nicht mehr gereinigt wurde. Weiter wimmelt es von Käfern und stechenden Moskitos.

Auf der östlichen Seite der Insel liegt ein weiteres Dorf, namens Muang Khong. Auch dieses liegt fernab der grossen Zivilisation. Eine Handvoll Gasthäuser, einige Tempel und ein kleiner Markt, wo am frühen Morgen am meisten los ist - das ist alles. Wir geniessen die ruhigen, romantischen Abende auf der Veranda direkt am Ufer des Mekong. Auf der fruchtbaren Insel wird Reis und Tabak angepflanzt. Sie kann gut zu Fuss oder mit dem Velo umrundet werden.

Muang Khong ist gleichzeitig eines der letzten wichtigen Dörfer auf dem Weg zur Grenze zu Kambodscha. Ein Tuk-Tuk bringt uns in einer Stunde zur Grenzstation von Voen Kham. Gegen ein paar Dollars erhalten wir die zur Ausreise notwendigen Stempel. Laos liegt hinter uns, wir freuen uns auf neue Erlebnisse in Kambodscha.

* so begrüsst man sich in Laos

Topps und Flopps LAOS

Topps

  • Trecking in Luang Nam Tha
  • Bootsfahrt auf dem Sekong River
  • Knusprige Baguettes und Iced Coffees

Flopps

  • Touristenboot von Huay Xai nach Luang Prabang
  • Übernachtung im Guesthouse von Muang Seng
  • Ungewollte 20 km Inselumrundung zu Fuss

 

Spezialbericht: Der geheime Krieg

Zwischen 1964 und 1973 war Laos das Schlachtfeld eines Krieges, der in der westlichen Welt gar nicht wahrgenommen wurde. Sowohl die USA wie auch Vietnam, mit Unterstützung von China, missachteten die Beschlüsse der Genfer Laos Konferenz von 1962. Diese sollten Laos aus dem weltumspannenden Ost- West- Konflikt herauslösen und das Land neutralisieren. Durch das direkte Eingreifen der amerikanischen Luftwaffe 1964 erhielt der Konflikt eine völlig neue Dimension. Der geheime Krieg (secret war) der USA in Laos begann. Es dauerte Jahre bis Präsident Nixon erstmals am 6. März 1970 öffentlich die amerikanischen militärischen Aktivitäten bestätigte. Bis dahin hatten zum amerikanischen Geheimdienst gehörende private Airlines mit zeitweilig zivilen Piloten der US Airforce mit B-52-Bombern zehntausende von Einsätzen geflogen. Bis 1973 warfen sie Millionen Tonnen Bomben ab. An der Zahl mehr als drei Millionen Tonnen, und dies über einem Land mit dem sie offiziell keinen Krieg führten. Mehr als im gesamten II. Weltkrieg, oder anders ausgedrückt, für jeden der etwa drei Millionen Einwohner von Laos eine Tonne. Erst anfangs der siebziger Jahre setzte sich in der amerikanischen Führung die Einsicht durch, dass der Indochina-Krieg militärisch nicht zu gewinnen sei. Im Januar 1973 wurden die Pariser Abkommen über Vietnam und im Februar des gleichen Jahres die Abkommen von Vientiane über die Wiederherstellung des Friedens in Laos unterzeichnet. Die Vereinigten Staaten tun sich bis heute schwer, ihren Teil der Verantwortung für diesen Krieg und seine Folgen zu übernehmen. Immerhin wird inzwischen auch offiziell geholfen, die zu Hunderttausenden, im Boden liegenden, nicht explodierten Sprengkörper unschädlich zu machen. Die Reste amerikanischen Dauerbombardements fordern auch heute noch bis zu 50 Menschenleben pro Jahr.

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