Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht West-Malaysia

12. April bis 29. April 2004

Gruezi - Selamat Datang*

Mit einem Minibus fahren wir von Suratthani in Thailand direkt nach Georgetown in Malaysia. Die Fahrt dauert rund zehn Stunden. Neben uns ist noch eine mehrköpfige Frauengruppe im Bus. Aus den Gesprächen und Gesten können wir entnehmen, dass sie einen Ausflug nach Georgetown machen. Wir beide sind während der ganzen Fahrt eher schweigsam und abgekämpft. Wir gehen unseren Gedanken nach und fragen uns immer noch, weshalb wir uns im Gegensatz zu den meisten anderen Touristen für Thailand nicht wirklich begeistern können.

Malaysia besteht aus zwei völlig unterschiedlichen Landesteilen, die durch das südchinesische Meer voneinander getrennt sind: Westmalaysia umfasst den Südteil der malaiischen Halbinsel, im Norden und Nordwesten der Insel Borneo liegen die beiden ostmalaiischen Teilstaaten Sarawak und Sabah. Malaysia hat über 20 Millionen Einwohner. Man unterscheidet zwischen Bumiputras, den "Söhnen der Erde", und den eingewanderten Bevölkerungsgruppen. Zu den Bumis, wie die Bumiputras verkürzt genannt werden, gehören alle Gruppen, die nicht erst während oder nach der Kolonialzeit eingewandert sind, wie die Chinesen und Inder. Der Anteil der Chinesen beträgt 30 Prozent, jener der Inder acht Prozent. 53 Prozent aller Malaien sind Moslems.

Ein wesentlicher Reiz Malaysias liegt in dieser Vielfalt der Völker. Aus religiösen und anderen Gründen haben sich die verschiedenen Rassen nur wenig miteinander vermischt und konnten ihre kulturellen Eigenarten erhalten. In dieser von vielen Klassen und Kulturen geprägten Gesellschaft begegnet man auf engem Raum und oft in unmittelbarer Nachbarschaft den verschiedenen Religionen: Moscheen, buddhistischen und taoistischen Tempeln, Hindutempeln oder christlichen Kirchen. Im islamisch geprägten Malaysia ist die Religionsfreiheit verfassungsmässig garantiert, die Menschen sind hier aber grundsätzlich sehr tolerant.

Die Völkervielfalt spiegelt sich auch im kulinarischen Angebot wider. Dieses reicht von malaiischen, über indische oder chinesische Restaurants bis hin zu amerikanischen Fastfood Ketten. Von diesem vielfältigen Angebot ziehen wir die indischen Spezialitäten vor: Dahl (Linsengericht), Naan (Fladenbrot), Tandoori Chicken oder ein erfischendes Lassi (Yoghurtdrink).

Malaysia ist eine parlamentarisch demokratische Wahldemokratie. Das Staatsoberhaupt ist der Koenig. Dieser wird von den malaiischen Sultanen, den Oberhäuptern in den dreizehn Teilstaaten, für jeweils fünf Jahre gewählt. In letzter Zeit hielt man sich an eine bestimmte Reihenfolge, die Sultanate wechseln sich demnach in der Besetzung des Koenigs im Turnus ab. Der Koenig hat nur eine repräsentative Funktion. Die Regierung ist ansonsten nach dem Muster westlicher Demokratien aufgebaut. In den letzten 23 Jahren fungierte Mahatir Mohamad als Premierminister. In seiner Amtszeit mutierte Malaysia von einem rohstofforientierten Land in eine Industrienation. Das starke Aufkommen fundamental islamistischer Strömungen wird in nächster Zeit von grossem politischem Interesse sein.

Die westlich der malaiischen Halbinsel liegende Insel Penang mit der Hauptstadt Georgetown erreichen wir spätabends. Die Insel ist mit einer 14 Kilometer langen Brücke mit dem Festland verbunden. Unweit der Stadt befindet sich die größte buddhistische Tempelanlage von Malaysia, der Kek Lok Si Tempel. Die Anlage wurde Ende des 19. Jahrhunderts in über 20 Jahren Bauzeit auf einem Hügel erbaut. Das Hauptstück ist die 1930 fertig erstellte 30 Meter hohe Pagode der zehntausend Buddhas. Die Buddhafiguren sind auf Kacheln im inneren dargestellt. Jede Ebene des Turmes hat eine andere Architektur, was ihm eine eigene Faszination verleiht: Die Basis ist chinesisch, der Mittelteil thailändisch und die Spitze im burmesischen Stil gehalten. Oberhalb der Pagode steht die grosse, weisse, ebenfalls 30 Meter hohe Statue, der Göttin der Gnade, Kuan-Yin. Sie soll in nächster Zeit ein Dach erhalten, damit sie nicht mehr tagtäglich den Launen des Wetters ausgesetzt ist. Mönche sammeln Spenden, um das Bauwerk zu finanzieren. Wir tragen unseren Teil dazu bei, indem wir mit unserer Spende einen Dachziegel kaufen, und diesen mit unserem Namen versehen. Vorsichtig tragen wir ihn zum Lager, wo die Ziegel bis zum Beginn des Baus aufbewahrt werden.

Mit den öffentlichen Bussen lässt sich die "Perle des Orients", wie Penang oft genannt wird, leicht erkunden. Auf der 1'000 Quadratkilometer grossen Insel findet man Nelken-, Muskat- und andere Plantagen, malaiische Fischerdörfer, touristisch erschlossene Strände und eben die geschäftige, von Chinesen und der indischen Minderheit geprägte Hauptstadt Georgetown. Dort findet man gut erhaltene Häuserzeilen aus der Kolonialzeit.

Eine Fahrt mit der Standseilbahn auf den 821 Meter hohen Penang-Hill wollen wir uns nicht entgehen lassen. Doch leider müssen wir an der Talstation zur Kenntnis nehmen, dass der Betrieb seit letztem Dezember eingestellt ist. Man warte auf ein neues Seil aus der Schweiz, teilt man uns mit. So nimmt Lea am nächsten Tag die Besteigung zu Fuss in Angriff. Für den beschwerlichen und schweisstreibenden Aufstieg wird sie mit einem herrlichen Rundblick entlohnt.

Nach ein paar erholsamen Tagen in Georgetown durchqueren wir mit einem Bus das Festland und erreichen nach sieben Stunden Fahrt die Stadt Kota Bharu an der Ostküste. In der Stadtmitte, auf dem grossen Platz zwischen Markthalle und Busbahnhof, werden abends Essensstände aufgebaut. Die Auswahl an lokalen Mahlzeiten ist gross: Laksa (Nudel mit würziger Suppe), Nasi Kerabu (blauer Reis, Kokosnuss, Fisch und Gewürze), Nasi Lemak (Reis, Kokosnuss, Gurken, Eier und Erdnüsse) oder Murtabak Sayur (Gemüseomelette) sind nur einige der Köstlichkeiten, die wir probieren. Während des täglichen Abendgebetes, zwischen 19 und 20 Uhr ruht der Essensmarkt. Die Gläubigen strömen in die Moschee, und auch wir werden zum Verlassen des Marktes aufgefordert. Der Zentralmarkt Kota Bharus ist einer der farbenprächtigsten und geschäftigsten in ganz Malaysia. Die Auswahl an Obst, Genuesen und Gewürzen inner- und ausserhalb des Gebäudes ist riesig. Wir geniessen eine frische Wassermelone und Rambutan, eine den Lychees ähnliche Frucht.

Frühmorgens fahren wir mit dem Bummelzug durch Dschungellandschaften nach Jerantut, dem Ausgangsort für Ausflüge in den Nationalpark Taman Negara. Der Parkt ist 4'343 Quadratkilometer gross und liegt fast im Zentrum der Halbinsel. Der Primaerurwald des Parks ist mit rund 130 Millionen Jahren der älteste der Erde. Eine 60 Kilometer lange fahrt mit einem Langboot auf dem Tempeling Fluss führt uns in den Ort Kuala Tahan. Dort befinden sich Unterkunftsmöglichkeiten und Restaurants. Der Parkeingang befindet sich am gegenüberliegenden Ufer, das man mit der Fähre erreicht. Das Angebot an Wanderungen im Park reicht vom stündigen Spaziergang bis zu längeren Trecks von zehn Tagen. Ein besonderes Erlebnis ist der Canopy-Walk. Der hängebrückenartige Weg führt mit Zwischenstationen an den Stämmen von Urwaldriesen in 25 Meter Höhe durch den Dschungel. Der Blick auf die Wipfel der Urwaldbäume ist eindrücklich.

Am folgenden Tag starten wir um zehn Uhr zu einer längeren Wanderung. Wir entschliessen uns für den elf Kilometer langen Weg nach Kuala Trenggan. Dieser führt dem Fluss entlang, was uns die Orientierung erleichtert, denn nicht immer sind die Wege durch den Dschungel gut markiert. Entgegen unserer Erwartungen führt der Pfad oftmals über steile Hügel, zudem treibt uns die schwüle Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit den Schweiss so richtig aus allen Poren. Oft müssen wir über umgestürzte Bäume klettern, oder die Fortsetzung des Pfades im Dickicht suchen. So legen wir nur gerade zwei Kilometer in der Stunde zurück. Wir sind froh, die Bootsanlegestelle in Kuala Trenggan vor der Abfahrt des einzigen Bootes zurück nach Kuala Tahan zu erreichen. Von den im Park lebenden Tieren haben wir lediglich eine Schlange, wilde Affen und viele Insekten gesehen. Das Gezwitscher der Vögel hat uns während der ganzen Wanderung begleitet.

Ein Bus bringt uns nach Kuala Lumpur, der 1.5 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Malaysias. Wir werden mit einem tropischen Gewitterregen Willkommen geheissen. Als wir unseren Bus verlassen, schüttet es wie aus Kübeln. Die Strassen sind im Nu überflutet, und die Autos lassen beim Durchfahren der Wasserlachen die Gischt meterhoch aufspritzen. Zum Glück ist die gedeckte Treppe zur Monorailstation nicht weit von der Bushaltestelle entfernt. Als wir unseren Zielbahnhof im Stadtzentrum erreichen, regnet es immer noch. Wir sind aber bald in unserem Gästehaus, einem alten Kolonialgebäude in der Innenstadt.

Kuala Lumpur, oder KL wie die Stadt meist genannt wird, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Gab es vor 30 Jahren noch kaum Hochhäuser, dominieren heute Gebäude wie die 452 Meter hohen Petronas Twin Towers (momentan die beiden höchsten Gebäude der Welt) oder der dritthöchste Fernsehturm der Welt, der KL-Tower. Auf einem Stadtspaziergang besichtigen wir einige Sehenswürdigkeiten: die von Kokospalmen umgebene Freitagsmoschee, das Artdeco Gebäude des Zentralmarktes, wo sich heute Boutiquen, Souvenirshops und Kunstläden aneinander reihen, den moscheeartigen ehemaligen Hauptbahnhof und die eher futuristisch anmutende Nationalmoschee Masjid Negara. Die Moschee bietet Platz für 20'000 Gläubige. Ihr schlankes Minarett ist 75 Meter hoch. Vor dem Gebäude des Bangunan Sultan Abdul Samad mit dem 41 Meter hohen Uhrturm treffen wir auf eine Gruppe Studentinnen, die unbedingt zusammen mit Lea ein Gruppenfoto machen will. Ein seltsames Bild: inmitten der jungen Studentinnen mit ihren traditionellen Kopftüchern eine westlich gekleidete Touristin. Am Abend bestaunen wir die weit in den Himmel ragenden Türme der Petronas Türme. Dann tauchen wir ein in die luxuriösen Shopping-Arkaden, die sich in den untersten Etagen der Türme befinden. Der Kontrast zu den Läden und Essstände, die wir am Nachmittag im Chinesenviertel angetroffen haben, könnte nicht größer sein. Wir können dem Konsumrausch widerstehen, schliesslich ist der Platz in unseren Rucksäcken beschränkt.

Das Gebiet der Cameron Highlands wurde von den englischen Kolonialherrschern wegen ihres angenehmen kühlen Klimas als Erholungsgebiet sehr geschätzt. Das Hochland liegt zwischen 1300 bis 2000 Meter über Meer, im Herzen der Titiwangsa-Bergkette. Wir erreichen die Cameron Highlands mit dem Bus ab KL in vier Stunden. Der Ort Tanah Rata ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Ausflüge in die nähere Umgebung. Bekannt sind vor allem die Teeplantagen, die sich wie Plüschteppiche über ganze Hügelketten erstrecken. Daneben wird aber auch viel Gemüse, Schnittblumen sowie Früchte angebaut. Der Ort selbst hat wenig zu bieten.

Wir kehren nach KL zurück, wo wir den Zug nach Singapore besteigen. Der Stadtstaat dient uns lediglich als Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Indonesien. Malaysia liegt hinter uns, wir freuen uns auf neue Erlebnisse in Indonesien.

*so begrüßt man sich in Malaysia

Topps und Flopps MALAYSIA

Topps

  • Penang Hill
  • Zentralmarkt in Kota Bharu
  • Taman Negara Nationalpark
  • Hotel in Singapore

Flopps

  • Sandalen Christian (Blasen…)
  • Der Reiseführer Indonesien ist nicht im GPO in Singapore angekommen

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