Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht Samoa

28.07. - 08.08.2004

Grüezi - Talofa*

Morgens um ein Uhr landen wir auf dem kleinen Flughafen von Apia, der Hauptstadt von Unabhängig Samoa. Es ist Mittwoch, der 28. Juli. Wir erleben diesen Tag gleich zweimal, haben wir doch am selben Tag Sydney um 15 Uhr Richtung Südsee verlassen. Das Überschreiten der internationalen Datumsgrenze von West nach Ost hat uns unvermittelt wieder um 24 Stunden zurückversetzt. Der Empfang für ankommende Touristen könnte nicht idyllischer sein: Eine dreiköpfige Kapelle spielt wunderschöne, romantische Südseemusik. Sie versetzt uns sofort in Ferienstimmung. Doch weil seit unserer Abreise aus Hongkong bereits über 34 Stunden ohne richtigen Schlaf vergangen sind, spüren wir, wie Müdigkeit in uns aufkommt. Wir fahren mit dem Taxi zu unserer Unterkunft und sinken erschöpft auf die Matratzen im offenen Bungalow.

Unabhängig Samoa, nicht zu verwechseln mit dem angrenzenden Amerikanisch Samoa, ist einer der Staaten Polynesiens, der seine Traditionen noch weitgehend erhalten hat. Trotz dem starken westlichen Einfluss ist man bestrebt, die Identität des Landes zu erhalten. Man widersteht vielen wirtschaftlichen Versuchungen oder verstärkter Industrialisierung. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen Samoas ist in der Landwirtschaft tätig. Agrarprodukte machen rund 80 Prozent der Exporte aus. Kaffee, Bananen und Kokosnussprodukte sind die wichtigsten Exportgüter.

An vielen Orten scheint die Zeit stillzustehen und die rund 180'000 Einwohner haben ein anderes Verhältnis zu Zeit und Pünktlichkeit als die "Palagi", wie die westlichen Besucher hier genannt werden. Wenn es etwas Wert ist, getan zu werden, kann es auch noch bis morgen warten; ist es nicht so wichtig, kann es auch vergessen werden. Für alle, die diese Denkweise übernehmen können, wird Samoa dank seinen wunderschönen Palmengesäumten Sandstränden, den grünen Regenwäldern und der unbeschwerten, heiteren Lebensweise seiner Bewohner zu einem traumhaften Südseeparadies.

Die beiden Hauptinseln Savaii (1'700 Quadratkilometer) und Upolu (1'115 Quadratkilometer) sind beide vulkanischen Ursprungs. Rund zwei Drittel der Einwohner Samoas lebt auf der kleineren der beiden Inseln, wo sich auch die Hauptstadt Apia befindet.

Bereits auf dem Flug von Sydney nach Apia sind uns die schwergewichtigen und fettleibigen Leute aufgefallen. Die Bewohner Samoas sind als übergewichtig bekannt. Nach einem Marktbesuch wissen wir auch, weshalb. Die Garküchen haben mehrheitlich vor Fett triefende Speisen im Angebot, die die Samoaner in riesengrossen Portionen zu sich nehmen. Künstlich gesüsste Getränke werden verschmäht, stattdessen trinkt man das sehr zuckerhaltige Coca-Cola gleich literweise. Ein modernes und sehr beliebtes McDonald's Restaurant in Apia ergänzt das Angebot an Fastfood. Obwohl die gesundheitlichen Probleme wie Diabetes und Herzprobleme stark zunehmen, gehört es hier immer noch zum Schönheitsideal, ein paar Pfunde zuviel herumzutragen. Traditionelles Essen wird meist nur noch Sonntags oder zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstage aufgetischt. Dieses wird in einem Erdofen, dem Umu, zubereitet. An jedem Sonntagmorgen steigt aus den Dörfern der Rauch aus unzähligen Umus auf. Typische lokale Speisen sind die Wurzelgemüse Taro, Cassava oder Yam, frischer Fisch, Spanferkel, Poulet, Palusami (Kokosnusscreme in Taroblättern), Oka (marinierter, roher Fisch), Tintenfische und Lobster. Ein Frühstück besteht aus Reisbreis an Kakao, dazu serviert man frische, sehr süsse und fruchtige Papayas. Es erstaunt nicht, dass die Kokosnuss in der lokalen Küche einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Kokosnusspalme ist die am weitesten verbreitete Pflanze auf den Inseln im Südpazifik. Die Kokosnussprodukte sind sehr vielfältig. Der Saft ist erfrischend und so gesund, dass er auch zu medizinischen Zwecken verwendet wird. Das weisse Fruchtfleisch kann zur Gewinnung von Kokosnussmilch oder -öl verwendet werden oder ist geraspelt Bestandteil vieler Kochrezepte. Die Schalen der Kokosnüsse gebraucht man als Trinkgefässe, nutzt sie als Brennstoff oder man macht daraus Schmuckstücke. Aus den Fasern der Nussschale werden Seile hergestellt. Die Blätter der Palme werden zu Körben und Matten geflochten. Der Stamm wird zu Holzblättern oder Brennholz verarbeitet. Eine einzelne Palme hat eine Lebensdauer von über 70 Jahren und liefert über 60 Kokosnüsse pro Jahr.

Der Sonntag ist für die christlichen Bewohner ein Ruhetag. Das öffentliche Leben scheint still zu stehen. Es fahren keine Busse und die Einkaufsläden und Märkte sind geschlossen. Für den Kirchenbesuch in einem der zahlreichen Gotteshäuser tragen die Gläubigen weisse Kleidung. Die Frauen schmücken sich zusätzlich mit einem weissen Hut. Die Sangeskraft der Samoaner ist überwältigend. Sie tragen die christlichen Lieder voller Inbrunst und mit klarer und kräftiger Stimme vor. Die gospelartigen Vorträge sind Konzertreif. An den zahlreichen Kirchenbesuchern und dem stimmgewaltigen Gesang hätte auch jeder Pfarrer in der Schweiz seine Freude. Zum christlichen Alltag gehört auch das Abendgebet "Sa". Zwischen sechs und sieben Uhr abends erschallen drei Gongschläge durch jedes Dorf. Der erste Glockenschlag signalisiert, dass sich die Dorfbewohner auf das Gebet vorbereiten sollen. Der zweite stellt den Beginn des Gebetes dar und nach ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten wird das Gebet mit einem dritten Gongschlag abgeschlossen. Gebetet wird in jedem Haushalt für sich. Während der Gebetszeit ruht das Dorfleben. Wenn man sich als Tourist zu dieser Zeit auf den Strassen aufhält, wird man gebeten, sich hinzusetzen und in aller Stille den dritten Ton abzuwarten.

Das Klima in Samoa ist angenehm warm. Das typische Wohnhaus der Samoaner ist deshalb eine einfache, gedeckte und offene Bambushütte. Man nennt diese Behausungen Fahle. Sie dienen zum Wohnen, Essen wie auch zum Schlafen. Touristen haben die Möglichkeit, in einer Fale am Strand zu übernachten.

Das Herumreisen mit den öffentlichen Bussen ist ein spezielles Erlebnis. Auf den Holzbänken der farbigen Busse, mit Holzkarrosserie, finden 33 Fahrgäste Platz. So steht es zumindest auf einer Tafel neben dem Chauffeur. Doch wie so oft, wird schliesslich jeder Raum im Bus mit Fahrgästen gefüllt. Herannahende Busse sind schon von weitem zu hören: Laute Reggaemusik dröhnt aus den offenen Fenstern. Will man einsteigen, deutet man dies dem Buschauffeur mit Handzeichen an.

Auch wenn viele der jüngeren Leute westliche Kleidung tragen, kleidet sich die Mehrheit der Samoaner mit dem "Lavalava". Dieser Jupe ähnliche Umhang wird von Männern und Frauen getragen. Der Stoff ist meist sehr blumig und farbig gemustert. Selbst Businessleute tragen diesen Jupe. Der samoanische Geschäftsanzug nennt sich "ie faitaga": Ein unifarbiger Lavalava, der mit weissem Hemd und Krawatte getragen wird. Dazu trägt man Sandalen; für uns Europäer ein doch ungewohntes Bild.

Wer Urlaub auf Samoa macht, darf einen Fiafia-Abend nicht verpassen an dem folkloristische Tänze und Lieder vorgeführt werden. Das ganze Programm wird meist von der ganzen Belegschaft des Hotels oder Gasthauses bestritten. Da kann es vorkommen, dass sich unter dem Kriegerkostüm der Küchengehilfe verbirgt, oder dass die Hotelbesitzerin ein herzzerreissendes Liebeslied vorträgt Eine Besonderheit stellt der "Siva"-Tanz dar. Er wird traditionellerweise von einer jungen Frau dargeboten. Sie trägt dazu ein Tuch, hergestellt aus der Rinde des Maulbeerbaumes. Ihr Körper ist mit Öl eingerieben und die Zuschauer kleben als Zeichen der Wertschätzung Geldscheine auf ihren nackten, glänzenden Rücken sowie auf Arme und Schultern.

Ein lohnendes Naturerlebnis bietet die Besichtigung des Mount Matavanu auf Savaii. Zwischen 1905 und 1911 flossen von diesem Vulkan mehrmals riesige Lavaströme über die Insel. Seither ruht der Berg. Der Blick vom Kraterrand tief hinunter in den Grünbewaldeten Schlund ist atemberaubend. Kurz bevor wir mit dem Jeep den höchsten Punkt erreichen, treffen wir in einer Hütte auf einen kauzigen Gesellen. Es ist der "Crater-Man", der selbsternannte Hüter und Beschützer des Vulkans. Man kann sich in sein Gästebuch eintragen. Er ist stolz, schon Besuch aus über 100 Ländern erhalten zu haben. Und für wenig Geld bemalt und beschriftet er eine Holztafel für Touristen, mit deren Namen, Herkunft und dem Datum des Besuchs. Neben jedem neuen Schild pflanzt der Craterman zusätzlich einen Baum.

Im Dezember 1889 landete der bereits berühmte schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson, Autor von "Die Schatzinsel" oder "Dr. Jekyll und Mr. Hide", zusammen mit seiner Frau Fanny in Apia. Der Dichter suchte ein heilendes Klima für seine fortgeschrittene Tuberkulose. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich auf Samoa und er segelte weiter nach Australien. In Sydney wurde er erneut krank und er kehrte im September 1890 nach Samoa zurück. Er setzte sich hier für die Rechte der Inselbewohner und die Eigenständigkeit Samoas ein. Zudem wurde er als unterhaltsamer Erzähler sehr geschätzt. Man nannte ihn "Tusitala", den Märchenerzähler. Im Dezember 1894 verstarb er auf seinem Landsitz Vailima. Heute ist die Villa der Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Das Grab des Dichters ist auf dem Gipfel des Mount Vaea zu besichtigen, von wo aus man eine schöne Aussicht auf die Hauptstadt und die Küste geniessen kann.

Wer Samoa in seiner reinsten und traditionellsten Form erleben möchte, findet dies auf Manono, der nur drei Quadratkilometer grossen, aber dennoch drittgrössten Insel Westsamoas. Keine Fahrzeuge, keine Strassen, keine Hunde, kein Lärm und wenig technische Errungenschaften stören das idyllische Leben der rund 2'500 Inselbewohner. Ein einfacher Fussweg verbindet die vier Dörfer. Der Rundgang um die Insel ist in zwei Stunden abgeschlossen. Unterwegs werden wir von Kindern willkommen geheissen. Sie wollen, dass wir von ihnen ein Foto machen. Alle lachen, als sie auf dem Display unserer Digitalkamera ihr Gesicht erkennen. Die älteren Kindern haben täglich einen weiten Schulweg hinter sich zu bringen. Die Oberstufe wird in einer Schule auf der Hauptinsel Upolu unterrichtet. Das bedeutet neben dem Fussmarsch zum Bootssteg im Osten der Insel zweimal täglich eine halbstündige Bootsfahrt über die "Apolima-Strait" genannte Meerenge.

Wurden wir bei unserer Ankunft noch mit stimmungsvoller Südseemusik willkommen geheissen, nimmt von unserer Abreise niemand mehr gross Notiz. Wir verlassen die Insel mitten in der Nacht und fliegen südwärts Richtung Tonga. Während dem Flug überqueren wir erneut die internationale Datumsgrenze, dieses Mal von Ost nach West. Das führt dazu, dass der achte August für uns nur etwa fünf Stunden dauert.

Samoa liegt hinter uns, wir freuen uns auf weitere Erlebnisse auf Tonga.

*so begrüsst man sich in Samoa

Topps und Flopps Samoa

Topps

  • Aufenthalt auf der Insel Manono
  • Sonntägliches Umu-Essen
  • Gottesdienst auf Savaii

Flopps

  • Ankunfts- und Abflugszeiten der Airlines mitten in der Nacht

 

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