Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

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  Reisebericht Sarawak

28. Mai 2004 bis 19. Juni 2004

Grüezi - Selamat Datang*

Am späten Nachmittag treffen wir nach einer neunstündigen Fahrt in
einem komfortablen Bus am Busterminal in Kuching ein. Nach dem Grenzübergang in Entikon ist uns schon die weitaus bessere Infrastruktur in Malaysia im Vergleich zu Indonesien aufgefallen. Und hier in Kuching erleben wir
auch eine ganz andere Mentalität: Die wartenden Taxi-, Moped- und Busfahrer
nehmen keine Notiz von uns, kein Schreien und Gedränge. Im ersten Moment eine sonderbare Situation, die wir aber geniessen.

Kuching, die Hauptstadt Sarawaks, ist eine schön am Sarawakfluss gelegene
Stadt mit touristenfreundlicher Infrastruktur. Nach einer Legende erhielt die Stadt ihren Namen aufgrund eines Sprachmissverständnisses. Als der englische Abenteurer James Brooke zum ersten Mal mit seinem Schiff vor der Stadt eintraf, deutete er mit der Hand auf den Ort, um von seinem malaiischen Übersetzer den Namen zu erfahren. Dieser war jedoch der Meinung, Brooke deute auf eine vorbeistreunende Katze und nannte ihm das malaiische Wort für Katze, Kuching. Sarawak ist mit 125'000 Quadratkilometern der grösste Teilstaat Malaysias und ist auch als "Land des Nashornvogels" bekannt. Heute
ist der exotische Vogel vom Aussterben bedroht und nur noch selten zu
beobachten.


In der Wirtschaft Sarawaks nehmen die reichen Ölvorkommen vor seinen
Küsten eine herausragende Rolle als wichtiges Exportgut ein. Malaysia bezieht
als einer der grössten Pfefferlieferanten der Welt ungefähr 90 Prozent
des Pfeffers aus Sarawak. Holz ist ein weiteres Exportgut, es stammt aus
den riesigen Urwaldgebieten Borneos. Ursprünglich gab es rund 13.4
Millionen Hektaren Primärurwald. Doch der Raubbau durch multinationale Konzerne hat bereits einen Grossteil davon zerstört. Tropenholz hat einen grossen Prestige- und Nutzwert. Es wird zu Möbel, Fenster und Türen aber auch zu Papier und Pappe verarbeitet. Zum Verschwinden der Regenwälder trägt auch das Anlegen riesiger Palmölplantagen bei. Malaysia stellt über 60 Prozent der weltweiten Palmölproduktion her. Wenn die derzeitige Zerstörung
anhält, werden Südostasiens Regenwälder bereits in 20 Jahren verschwunden sein.

Sarawak hat etwa 2.2 Millionen Einwohner. Rund 40 Prozent davon leben
in den drei wichtigsten Städten Kuching, Sibu und Miri. Die Bevölkerung
setzt sich aus insgesamt 26 unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammen.

Uns dient Kuching als Ausgangspunkt in die nähere Umgebung. Unweit der
Stadt liegt das Sarawak Cultural Village, der "Ballenberg" Ost-Malaysias.
Dort finden wir sieben typische Wohnhäuser der in Sarawak beheimateten
Volksstämme. Es sind dies: Bidayuh, Iban (Kayan, Kenyah), Penan, Orang
Ulu, Melanau, Malayen, Chinesen. Jede Gruppe präsentiert den Besuchern
ihr Alltagsleben, ihr Handwerk und ihre Volkstrachten. Bei den Penanhütten
kann sich Christian erstmals im Blasrohrschiessen üben. Mit wenig Erfolg!
Der Penankrieger kann ob des Orang Putih (weisser Mensch) ein schelmiges
Lächeln nicht unterdrücken. Beim Volk der Melanau lernen wir Sago
kennen. Die uns offerierten Sagocrackers schmecken ausgezeichnet. Zur
Herstellung dieses Snacks wird das Holz der Sagopalme geraspelt, in Wasser
eingelegt, der dann milchige Saft wird über dem Feuer eingekocht, anschliessend wird der Teig ausgewallt, in Rechtecke geschnitten und auf dem Ofen getrocknet. Für die Menschen der Melanau stellt nicht wie bei den meistens Völkern Asiens der Reis, sondern eben Sago das Grundnahrungsmittel dar.

Südlich von Kuching liegt das Semenggok Orang Utan Rehabilitationszentrum.
Das Ziel des Zentrums ist die Wiedereingliederung von Orang-Utans in ihren
natürlichen Lebensraum. Die in Semenggok lebenden Tiere sind von Privatpersonen gefangene und später konfiszierte Orang-Utans, oder solche, die man beim Roden der Regenwälder gefunden hat. Zweimal täglich finden
Fütterungen statt, bei denen die im Urwald lebenden Affen an die
Fütterungsplatform zurückkehren können. Bei unserem Besuch können wir vier Orang-Utans beobachten.

Wir verlassen Kuching mit dem Expressboot und sind nach vier Stunden
Fahrt über das Meer und auf dem Rajang Fluss in Sibu, der zweitgrössten
Stadt Sarawaks. In der bedeutenden Hafenstadt ist es kurzweilig, den
anlegenden Schiffen zuzuschauen oder vom obersten Stockwerk der chinesischen Pagode die Stadt zu überblicken. Zu unserer Freude können wir auf dem interessanten Nachtmarkt lokale Essenspezialitäten geniessen. Weiter flussaufwärts, inzwischen 242 Kilometer von der Küste entfernt, liegt Kapit, ein
weiteres Handelszentrum. Wer von hier weiter ins Landesinnere vordringen will,
braucht eine Genehmigung der Behörde. Das amtliche Papier wird uns rasch und unbürokratisch ausgestellt. Es ist noch eine weitere Tagesreise mit dem Boot bis nach Belaga. Dieser kleine Ort stellt praktisch die Grenze zwischen Zivilisation und Urwald dar. Daniel, ein Touristenführer aus Belaga, offeriert uns eine mehrtägige Tour am Oberlauf des Rejang. Die in diesem Gebiet liegenden
Dörfern sollen nach Beendigung des riesigen und stark umstrittenen
Staudammprojekts von Bakun überflutet werden. Die Bewohner werden bereits heute von der Regierung zur Umsiedlung aufgefordert. Etliche Dörfer weigern sich jedoch aus verschiedenen Gründen ihre angestammten Lebensräume zu verlassen. Die Begegnungen mit dem Nomadenvolk der Penan und den in Langhäusern lebenden Kayan ist einer der Höhenpunkte unserer bisherigen Reise (siehe Spezialbericht "Abenteuerliche Flussreise ins Herzen Borneos").

Nach fünf abenteuerlichen Tagen im Urwald fahren wir mit dem Bus
zurück in die Zivilisation, an die Westküste nach Bintulu. Weiter nördlich
in Miri wohnen wir dem Volksfest Hari Gawai bei. Wir bestaunen im Civic
Center verschiedene Volksgruppen in ihren Trachten und bei der Demonstration
ihres typischen Handwerks. Am Abend findet im Stadion die Abschlussfeier
statt. Inmitten von Tausenden malaiischen Zuschauern nehmen wir ebenfalls
daran teil. Der Anlass wird vom Fernsehen übertragen und der malaiische
Koenig ist als Ehrengast anwesend. Seine Ansprache ist von Patriotismus
geprägt. Der Koenig ruft die malaiische Vision in Erinnerung, bis zum Jahr 2020
den Status eines Entwicklungslandes abstreifen zu können und die Wandlung
zum Industriestaat geschafft zu haben. Die anschliessenden Vorführungen
reichen von traditionellen Liedern und Tänzen bis zu den vielbejubelten
aktuellen Stars der malaiischen Popszene.

Von Miri aus organisieren wir unseren Abstecher in den Mulu
Nationalpark. Die meisten Besucher fliegen ob des beschwerlichen Landweges in den Park hinein. Wir ziehen jedoch die Landroute vor. Die Fahrt mit dem Jeep auf der Holzfällerstrasse führt durch endlosweite Palmölplantagen, die
auf gerodetem, abgeholztem Dschungelgebiet angelegt wurden. Das Ausmass der bereits vernichtenden Regenwaldgebiete und das Tempo, in dem die
Zerstörung fortschreitet, stimmt uns nachdenklich. Die eineinhalb Tage im Jeep
über Stock und Stein schütteln uns so richtig durch. Nach der holprigen
Fahrt sind wir froh, das letzte Stück auf dem Weg in den Nationalpark auf
dem Fluss bewältigen zu können. Im Mulu Nationalpark befinden sich einige
der längsten Höhlen Südostasiens. Die spektakuläre Sarawakkammer
ist als der grösste Höhlenraum der Welt bekannt. Nicht weniger als 40
Jumbojets sollen darin Platz finden. In einer anderen Höhle leben mehr als zwei
Millionen Fledermäuse, die abends die Höhle in Gruppen verlassen und auf
Nahrungssuche gehen. Auf dem abendlichen Flug frisst jede einzelne Fledermaus 20 bis 50 Gramm Insekten. Die ganze Fledermauspopulation vertilgt demnach täglich zwischen 20 bis 40 Tonnen.

Der Hauptgrund unseres Parkbesuches stellt die Wanderung zu den
Pinnacles dar. Diese Kalksteinformation befindet sich auf 1750 Metern über Meer und ist rund zwei Tagesetappen vom Hauptquartier entfernt. Mit dem Boot
fahren wir in den Park hinein. Der Melinaufluss führt zu dieser Jahreszeit
sehr wenig Wasser und schon bald fahren wir auf die ersten Steine auf. Wir
müssen ins kühle Nass springen und das Boot stossen. Dieses Prozedere
wiederholt sich während der ganzen Fahrt mehrmals, bis wir die restlichen acht
Kilometer durch den Primärregenwald zu Fuss in Angriff nehmen. Die Unterkunft in Camp 5 liegt idyllisch am Fusse des Mount Api. Die Landschaft erinnert uns stark an die Schweizer Berge, einzig die Temperaturen liegen um einiges über jenen in den Alpen. Am Morgen des nächsten Tages starten wir zum steilen Aufstieg. Vor uns liegen 1200 Höhenmeter, verteilt auf eine
Strecke von lediglich 2.5 Kilometern. Unser Führer schlägt ein horrendes
Tempo vor, dem wir folgen. Nach etwas mehr als zwei Stunden geniessen wir
schweissgebadet den Blick auf die spitzigen Felsnadeln der Pinnacles. Wir erfreuen uns an der wunderbaren Fernsicht über den Regenwald. Der Abstieg ist fast beschwerlicher als der Aufstieg und wir sind froh, die 17 Leitern und engen Passagen unfallfrei bewältigen zu können. Zurück im Basislager stürzen wir uns in den Bach und geniessen das kühlende Bad. Unser Führer bereitet uns ein köstliches Nachtessen zu und ist sichtlich stolz über seine beiden Schweizer Touristen. Er lässt uns wissen, dass nicht alle Aufstieg so rasch wie wir schaffen würden. Er sei manchmal froh, vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Am nächsten Morgen kehren wir ins Hauptquartier zurück, von wo aus wir gleichentags nach Miri zurückfliegen. Unser nächstes Reiseziel ist das Sultanat Brunei. Sarawak liegt hinter uns, wir freuen uns auf weitere Erlebnisse in Brunei.

*so begrüsst man sich in Sarawak.

Topps und Flopps SARAWAK

TOPPS

  • egetarisches Restaurant in Kuching
  • Gunung Mulu Nationalpark
  • Übernachtung bei den Penan

Flopps

  • Hautausschlag Lea

 

 

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