Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2004
     
 

Home

Persönliches

Vorbereitung

Route

Berichte

Fotos

Weitere Reisen

Kontakt

 

 

 

 

 

 


Spezialbericht Sarawak: Abenteuerliche Flussreise ins Herzen Borneos

Die Lichtscheine von zwei Taschenlampen kommen uns am Flussufer näher. Im Dunkeln sind nur die Silhouetten der beiden Gestalten auszumachen. Unser Puls geht schneller und wir fragen uns, was da wohl auf uns zukommt. Viel Zeit zum überlegen bleibt uns nicht, denn schon stehen die zwei Jäger des Penan-Stammes vor uns. Sie sind nur mit Unterhosen bekleidet. Beide sind mit einem Gewehr bewaffnet. Uns fällt auch ihr für die Penan typische Haarschnitt auf, der uns an Bruno Manser, wie wir ihn von Fotografien her kennen, erinnert. Nach einer langen Fahrt mit dem Boot auf dem Batang Balui hoffen wir, bei den Penan eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Werden die Penan uns wohlgesinnt sein und uns in ihrem Camp willkommen heissen? Oder werden sie uns Fremden ablehnend begegnen?

Der Tag begann für uns in Belaga. Der kleine Ort liegt drei Tagesreisen mit dem Boot von Kuching entfernt am Oberlauf des Rejang Rivers, wo dieser sich in Belaga und Balui teilt. Der Ort stellt praktisch die Schwelle zwischen Zivilisation und Wildnis dar. Nördlich von Belaga wird das riesige Staudammprojekt von Bakun realisiert. Es soll Sarawak und über eine Stromleitung unter dem Meer hauptsächlich auch Westmalaysia mit Strom versorgen.Das Bauwerk wird nach seiner Fertigstellung zur Überflutung und Zerstörung riesiger Regenwaldgebiete führen. Viele Dörfer im Regenwald werden bereits heute zur Umsiedlung in neue Siedlungen aufgefordert. Aber nicht alle Stämme sind einverstanden und leben weiterhin im Dschungel, andere wiederum sind bereits umgezogen.

Zu unserer Bootstour starteten wir viel zu spät. Mit uns saßen der Reiseführer Daniel, der Bootsführer und sein kleiner Sohn sowie die beiden Touristen Ricky aus Kanada und Raffael aus Polen im Boot. Die verspätete Abfahrt führte dazu, dass wir beim Einbrechen der Dunkelheit noch weit von unserem Tagesziel, einem Langhaus in einem Dorf der Kayan, entfernt waren. Das Navigieren auf dem Fluss wurde im Dunkeln für unseren Boostführer immer schwieriger und wegen der Stromschnellen auch gefährlich. Da entschied sich unser malaiischer Reiseführer Daniel, am Flussufer nach Lebenszeichen von Penanjägern Ausschau zu halten. Er begann, in der Sprache der Penan in den Regenwald zu rufen, um dadurch auf uns aufmerksam zu machen. Und tatsächlich, schon bald sahen wir im Wald zwei Taschenlampenlichter aufleuchten - und bald wieder verschwinden. Dann erschienen die Lichter erneut, wir hörten Gerede in einer uns fremden Sprache und fuhren mit dem Boot ans Ufer.

Und nun stehen wir also den beiden Kriegern des Nomadenvolks der Penan gegenüber. Sie lassen unseren Führer wissen, dass sie uns zwar in ihrer einfachen Unterkunft willkommen heissen, dass dort aber für weitere Leute zum Übernachten kein Platz sei. Die Penan haben hier, weit entfernt von ihrem Dorf, Quartier bezogen um Wildschweine zu jagen. Ihre Jagdhütte ist sehr einfach: Ein Boden aus Holzbrettern und ein Blechdach, darunter eine offene Feuerstelle. Die Hütte bietet genug Platz für die fünf Penan, aber zuwenig für weitere vier Touristen und ihren Führer. Auch wenn unsere Hoffnung auf ein Nachtlager geschwunden ist, müssen wir keinen Hunger leiden. Die Penan kochen für uns über dem Feuer den Wildschweinekopf, den wir als Verpflegung dabeihaben. Dazu gibt es Reis und sogar Kaffee.

In der Zwischenzeit hat es angefangen zu regnen. Der Häuptling der Penan meint jedoch, um elf Uhr Nachts könnten wir mit Hilfe des Mondscheines zum nächsten Dorf fahren. Wir würden aber viel lieber hier übernachten, denn zurück aufs Boot um in der Dunkelheit weiterfahren - nein, das wollen wir nicht. Um elf Uhr regnet es immer noch. Wir sind froh, als uns die Penan schließlich doch erlauben, bei ihnen zu schlafen. So teilen wir den spärlichen Platz und wir alle können im Schutz der kleinen Hütte übernachten. Bereits um fünf Uhr in der Früh verlassen die Penan die Unterkunft und gehen auf die Jagd. Vorher machen sie noch Feuer und kochen uns Kaffee. Wir erfahren eine grosszügige Gastfreundschaft, wofür wir den Penan ewig dankbar sind.

Weiter geht es dann den Fluss aufwärts zu einfachen Dörfern der Kayan, wo wir überall sehr herzlich willkommen geheißen werden. Touristenbesuche sind hier selten und bilden eine Abwechslung zum recht eintönigen Alltag der Bewohner. Uns wird von den wenigen Nahrungsmitteln, die sie haben, alles angeboten: Bananen, Crackers, getrocknetes Wildschwein, Reis, Tee, Kaffee. Im Dorf unserer Gastfamilie wird uns alles gezeigt und Lea kann sich sogar in der Küche behilflich zeigen. Doch ihre Handfertigkeit beim Klebreis in Bananenblätter verpacken, lässt etwas zu wünschen übrig. Lea unterscheidet sich aber noch in etwas anderem: Die meisten Kayanfrauen haben ihre Arme, Beine und Füsse tätowiert. Die Muster geben Auskunft über den Stand und das Ansehen der einzelnen Frauen. Die Tattoos sind jedoch auch ein natürlicher Schmuck und sollen verhindern, dass die Haut im Alter Runzeln und Falten bekommt. Gleichzeitig tragen die älteren Frauen noch sehr schwere Ohrringe. Durch das jahrelange Tragen werden die Ohrläppchen immer länger und die Löcher immer groesser. Heutzutage ist dieser Art von Ohrschmuck aber immer weniger Brauch, auch die Tattoos sind nicht mehr alltäglich. Die alten Männer haben ebenfalls Löcher in den Ohren. Sind die Löcher oben am Ohrläppli, deutet dies darauf hin, dass diese Männer in den Krieg gezogen sind und dabei getötet haben. Die Löcher unten am Ohrläppli sind wie bei den Frauen durch schweren Ohrschmuck entstanden. Am Abend stellt sich unsere Besuchergruppe den Dorfältesten vor. Später wird ausgiebig Reiswein getrunken, man raucht Zigarren aus Selbstgetrocknetem Tabak und uns werden traditionelle Tänze vorgeführt.

Einige Tage später können wir an einer traditionellen Hochzeit teilnehmen und das ist ein Erlebnis für sich. Die Hochzeit beginnt um zehn Uhr morgens am Wohnort der Braut. Der Bräutigam kommt mit einem grossen Autokonvoi angefahren. Er ist in der traditionellen Tracht gekleidet und trägt einen mit Federn des Nashornvogels geschmückten Kopfschmuck. Vor dem Aufgang zum Langhaus werden zuerst die mit dem Bräutigam eingetroffenen Frauen von den weiblichen Familienmitgliedern der Braut begrüsst. Alle müssen einen Becher des lokalen Reisweines trinken. In Einerkolonne zu Musik, dem so genannten Longdance, geht es auf der Veranda des Longhouses weiter. Die Männer folgen dann im gleichen Ritual den Frauen. Es wird immer wieder Reiswein ausgeschenkt. Die Stimmung ist gelöst. Es sind inzwischen sicher über 200 Gäste da. Der Bräutigam holt dann seine Braut, ebenfalls im traditionellen Kleid, ab. Sie tanzen dabei acht mal um die Wohnstube herum. Anschließend findet ein kleines Zeremoniel statt bevor dann das Buffett eröffnet wird. Nach dem Essen tauscht das Brautpaar seine traditionellen Hochzeitskleider gegen westlichen Anzug und weisses Brautkleid aus. Es folgt wiederum eine Zeremonie und dann dürfen sich beide in ihre Alltagskleider werfen. Doch der Nachmittag wird für sie noch recht anstrengend: sie müssen ellenlange Reden von sämtlichen Dorfältesten über sich ergehen lassen. Es ist hier Brauch, dass die erfahrenen Männer dem jungvermählten Paar gute Ratschläge mit auf den Weg geben. Und je später der Abend und je mehr Reiswein geflossen ist, desto länger die Reden.

Uns vier Touristen wird selbstverständlich auch immer wieder Reiswein und von den lokalen Zigaretten angeboten. Dann ist es endlich auch Zeit für die Hochzeitstorte, echt kitschig, aber sie schmeckt sehr gut. Nach dem Nachtessen wird nochmals getanzt. Wir müssen ebenfalls traditionelle Hochzeitskleider anziehen und einen Tanz vorführen. Christians Kriegstanz findet die volle Begeisterung der Männer, er könnte sofort in den Stamm der Kayan eintreten.

Mit dem Ausklingen der Hochzeitsfeierlichkeiten endet unser Ausflug ins Hinterland Sarawaks. Die Begegnungen mit den dort beheimateten Volksgruppen hinterlassen in unseren Herzen unauslöschliche Spuren.

 

  Der Inhalt auf dieser Seite ist urheberrechtlich geschützt. Jede Weiterverwendung auch zu privaten Zwecken ist untersagt. © Lea & Christian 2004