Lea und Christian
    auf ihrer grossen Reise 2005
     
 

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  Reisebericht Westbengalen (Darjeeling) und Sikkim

05.02. - 24.02.2005

Grüezi - Namaste*

Bevor wir in die Bergregionen Darjeelings und Sikkims fahren, machen wir noch Zwischenhalte in Agra und Kolkatta. In Agra steht Indien's bekanntestes Monument, der Taj Mahal am Ufer des Flusses Yamuna. Das imposante, weisse Marmorgebäude erstrahlt in einer Pracht, als wäre es erst kürzlich erstellt worden. Gebaut wurde es aber vom Herrscher Shah Jahan als Mausoleum für seine zweite Frau Mumtaz Mahal, die 1631 starb. Der Bau begann noch im gleichen Jahr, wurde aber erst 1653 fertig erstellt. Über 20'000 Arbeiter waren am Bau beteiligt. Es heisst, man habe einigen von ihnen später die Hand amputiert, um zu verhindern, dass die Perfektion des Mausoleums jemals wiederholt würde.

Unweit des Taj Mahals können wir sehen, wie Hindus Abschied von ihren Verstorbenen nehmen. Auf den zum Fluss hinunterführenden Stufen befinden sich mehrere Kremationsplattformen. Dort wird der in weisse Tücher eingewickelte Leichnam auf Holz gelegt und von der Trauergemeinde, ausschliesslich Männern, mit trockenen Ästen zugedeckt. Wir beobachten, wie sich ein naher Angehöriger des Verstorbenen, neben dem Leichnam kniend, seine Kopfhaare abrasieren lässt, sich wäscht und in weisse Kleidung hüllt. Anschliessend tritt er an den Scheiterhaufen und zündet diesen an. Schweigend stehen die Trauernden um das Feuer, bevor sie nach einigen Minuten den Ort verlassen.

Nach einer 1'500 Kilometer langen Zugsfahrt, für die wir 34 Stunden benötigen, erreichen wir spätabends Kolkata, das ehemalige Kalkutta. In der hektischen Howrah Bahnstation stolpern wir beinahe über die unzähligen am Boden schlafenden Menschenbündel, sowohl auf die Abfahrt ihrer Züge wartende Passagiere wie auch Obdachlose, die hier Schutz suchen. Die Stadt mit ihren über vierzehn Millionen Einwohnern ist ein Ort der extremen Gegensätze. Auf der Taxifahrt ins Hotel passieren wir moderne Viertel mit Hotels, Restaurants und Bars, Neonreklame machen Werbung für die neusten Autos oder Mobiltelefone. Ein paar Strassen weiter ändert sich das Bild drastisch und wir fahren durch Slumsiedlungen ohne Strom und Wasserversorgung. Solche Kontraste zwischen Arm und Reich gehören hier zum Alltag. Mutter Teresa, die Friedensnobelpreisträgerin von 1979, hat sich für die Ärmsten dieser Stadt eingesetzt. Wir besuchen den Orden der Barmherzigkeit, wo ihr Lebenswerk weitergeführt wird. Unter den Helfern finden sich auch viele Freiwillige aus dem Ausland, die für kurze oder längere Zeit im Mutterhaus arbeiten.

Für die Bahnfahrt mit dem Kanchenjunga Express nach New Jalpaiguri haben wir Plätze in der ersten Klasse reserviert. Die Ambiente im mit einem Vorhang abgetrennten vierer Abteil ist aber eher steril. Wir vermissen das lebhafte Treiben in der überfüllten Holzklasse, wie wir es in den bisherigen Bahnfahrten erlebt haben. Während der ganzen zwölfstündigen Fahrt fahren wir durch die riesigen Reisplantagen von Westbengalen. Die Weiterfahrt ins 2134 Meter über Meer liegende Darjeeling legen wir im Dampfzug zurück. Für die rund 88 Kilometer lange Strecke benötigt die Schmalspurbahn etwa acht Stunden. Unterwegs passieren wir 500 Brücken, vier komplette 360 Grad Kehren und sechs Z-förmige Spitzkehren, in denen die Zugskomposition für eine kurze Strecke rückwärts den steilen Hang hinaufgeschoben wird. Leider bleibt uns während der Fahrt die spektakuläre Aussicht auf die mit Teeplantagen überwachsenen Hänge und die Himalaya-Gipfel meist durch Nebel und Wolken verwehrt. Dieses Wetter hält während unserem Aufenthalt in Darjeeling leider an. In dieser Region wird ein Viertel der gesamten indischen Teeproduktion gepflückt. In 80 Teeplantagen sind 40'000 Arbeiter beschäftigt. 80 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt. Seltsamerweise übersteigen die weltweiten Verkäufe von Darjeeling-Tee bei weitem die hier produzierte Menge. Nicht jeder Teebeutel mit der Aufschrift Darjeeling stammt demnach aus hiesiger Produktion.

Als wir uns zwei Tage später mit einem Jeep nach Sikkim aufmachen, zeigt sich das Wetter wieder von der schönsten Seite. Nach der Überquerung des mächtigen Teesta-Flusses werden unsere Pässe in Rangpo abgestempelt. Wir dürfen fünfzehn Tage im ehemaligen Koenigreich bleiben. Erst seit 1975 gehört Sikkim zu Indien. Der Einfluss der angrenzenden Länder, Nepal im Westen, Tibet (China) im Norden und Bhutan im Osten ist deutlich spürbar und wir fühlen uns auch gar nicht mehr in jenem Indien, das wir bisher erlebt haben. Die Fahrt in den Hauptort Gangtok führt steilen Berghängen entlang und wir überqueren mehrere Hängebrücken. Die Strassen sind eng und in einem sehr schlechten Zustand. Mit äusserst einfachen Geräten und Hilfsmitteln werden die Strassen zwar unterhalten, Bergrutsche oder über die Ufer tretende Bergbäche machen diese Arbeit aber oft wieder zunichte.

Gangtok präsentiert sich uns dann aber ganz und gar nicht als verschlafenes Bergdorf, wie wir es erwartet haben. Es ist eine lebhafte, rasch wachsende Stadt mit knapp 100'000 Einwohner. Wir besuchen das 200 Jahre alte Kloster Enchey Gompa. In dem mit farbigen Gebetsfahnen geschmückten Tempelhof treffen wir viele junge Mönche beim Studium an. Ein anderes Kloster, Do-Drul Chorten, verfügt über einen Tempelturm (Stupa), um den 108 Gebetsmühlen angeordnet sind. Die buddhistischen Gläubigen umrunden diese Stupa im Uhrzeigersinn und drehen dabei die Gebetsmühlen.

Als wir am nächsten Morgen erwachen, präsentiert sich uns ein wolkenfreier Blick auf den 8'598 Meter hohen Kanchenjunga und andere Himalaya-Gipfel. Für den Besuch des im Nordsikkim liegenden Yumthang Tales brauchen alle Touristen eine Bewilligung und das abgelegene Gebiet darf nur mit einer organisierten Tour besucht werden. Für die 125 Kilometer lange Strecke sind wir fünf Stunden unterwegs. Der Ort konnte den Charakter eines Bergdorfes bisher erhalten. Wir geniessen den Ausblick auf die imposanten Berggipfel und die Ruhe des hereinbrechenden Abends. Während der Nacht wird es empfindlich kalt und am Morgen sind die Berghänge bis weit ins Tal mit Neuschnee bedeckt. Bei einem Morgenspaziergang wärmen uns die ersten Sonnenstrahlen. Mit dem Jeep geht es dann weiter talaufwärts, vorbei an weidenden Yaks. Schon bald erreichen wir die Schneegrenze. Die Strasse ist mit gut 25 Zentimeter Neuschnee bedeckt, womit nicht alle Touristenfahrzeuge zurecht kommen. Kein Wunder, wenn man die abgefahrenen Profile ihrer Pneus betrachtet. Ein Jeep steckt in einer Kurve fest und bringt den ganzen Konvoi zum stehen. Die indischen Touristen erfreuen sich am Neuschnee, sie bauen Schneemänner oder beginnen eine Schneeballschlacht und es wird fleissig fotografiert. Wir beide sind, als einzige westliche Touristen, ein gefragtes Fotosujet. 18 Kilometer trennen uns vom Tagesziel, doch ein Überqueren des Passes ist bei diesen Strassenverhältnissen unmöglich. Der Ausflug in die engen, tiefen Täler Nordsikkims hat sich trotzdem gelohnt.

Unser nächster Etappenort ist Pelling in Westsikkim auf 2'200 Meter über Meer. Die Himalaya-Bergkette scheint hier schon beinahe zum Greifen nahe, obwohl der Gipfel des Kanchenjunga noch 40 Kilometer entfernt ist. Wir mieten einen Jeep mit Fahrer und erkunden die Umgebung. Der Khecheopari-See gilt sowohl für Buddhisten als auch Hindus als heiliger See. Über dem von Wald umgebenen See liegt eine fast gespenstische Ruhe. Man erzählt sich, dass die Vögel jedes einzelne Blatt, das auf die Seeoberfläche fällt, wieder herauspicken würden. Zur Mittagszeit erreichen wir Yuksom, die erste Hauptstadt Sikkims. Das 1701 erbaut Kloster gilt als Geburtsort Sikkims und ist eines der ältesten in der Provinz. Für die Bewohner Sikkims ist es ein heiliger Ort. Das Kloster von Tashiding liegt auf einem Hügel von dem man einen wunderbaren Rundblick geniessen kann. Laut buddhistischen Schriften hat hier im achten Jahrhundert der Guru Rimpoche das heilige Land Sikkim gesegnet. Bei unserem Besuch werden die letzten Vorbereitungen für ein wichtiges buddhistisches Festival getroffen. Jedes Jahr am vierzehnten und fünfzehnten Tag im ersten Monat des Mondkalenders wird das Bumchu-Festival gefeiert. Zu dieser Zeremonie strömen Tausende von Gläubigen herbei um der Segnung des heiligen Wassers beizuwohnen. Dieses wird nur einmal jährlich hervorgeholt, mit frischem Wasser vermischt und an die Pilger verteilt. Anschliessend wird der Behälter wieder aufgefüllt und für ein weiteres Jahr wieder verschlossen. Unter den bereits anwesenden Pilgern befinden sich viele ältere Frauen in den traditionellen Trachten Sikkims. Sie umrunden die Gompa, drehen die Gebetsmühlen und murmeln leise ihre Gebete.

Bevor wir Indien Richtung Bangladesch verlassen, legen wir nochmals einen Halt in Darjeeling ein. Im Vergleich zu unserem ersten Besuch vor zwei Wochen hat sich das Wetter etwas gebessert und es sind schon bedeutend mehr Besucher anzutreffen. In Kürze beginnt in diesem Kurort für indische Touristen die Hochsaison. Wir können das bevorstehende Verkehrschaos und Menschengewühl bereits erahnen. Mit dem Jeep kehren wir nach Siliguri in der Ebene von Westbengalen zurück und von dort geht es weiter per Bus nach Chengrabandah, dem Grenzort zu Bangladesch.

Indien liegt hinter uns, wir freuen uns auf neue Reiseerlebnisse in Bangladesch.

*so begrüsst man sich in Indien

 

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