The Andes Trail
Lea unterwegs von Quito nach Ushuaia 2010
 
 
  Von: lea.degen
Gesendet: Donnerstag, 12. August 2010, Cuenca (Ecuador)
Betreff: News aus Südamerika

Meine Lieben

Bereits seit 6 Tagen radle ich durch die herrliche Bergwelt in den Anden. Es ist fantastisch. Meine Erwartungen werden bei weitem übertroffen.

Am letzten sind wir zum Äquator gefahren, dem offiziellen Startort der Tour. Die Etappe war kurz, lediglich 54 km und 639 Höhenmeter. Am Samstag ging’s dann richtig los, raus aus Quito nach Latacunga. Mehrheitlich sind wir der Panamerica entlang gefahren, relativ viel Verkehr, landschaftlich ohne grosse Highlights, total 108 km und 1291 Höhenmeter. Und ich habe mich bereits das erste Mal verfahren, anscheinend waren die 108 km zu wenig. Glücklicherweise habe ich den Weg zurück gefunden. Sonntags standen 97 km und 1741 Höhenmeter auf dem Programm, erstmals ging’s über 3000 m Höhe. Der Verkehr hat nachgelassen, die Landschaften haben sich verändert, wir sind langsam ins Bergland hinein gefahren. Und wieder habe ich mich verfahren... zum Glück nicht alleine, zu zweit haben wir uns mit unseren dürftigen Spanischkenntnissen durchgefragt und schlussendlich sind wir wieder auf der Panamericana und auf dem richtigen Weg gelandet. Da wir den Lunchstop verpasst haben, haben wir in einem lokalen Restaurant eine feine Hühnersuppe gegessen - ich bekam als Supplement "Hühnerfüsse". Der Montag war easy: Nur 52 km und 788 Höhenmeter. Das Highlight war der Lunchstop: Bei schönstem Wetter genossen wir eine wunderbare Aussicht auf die Anden, traumhaft.

Am Dienstag hiess es wieder kräftig in die Pedale treten: 81 km und 1512 Höhenmeter. In den Anden geht es immer bergauf und bergab, bergauf und bergab - mehrheitlich bergauf. Die Anden sind bis hoch hinauf bewohnt und es ist dir gar nicht bewusst, dass du dich meistens auf über 2500 m befindest. Zum Glück sind die Strassen bis jetzt sehr gut- das macht das Radfahren um einiges einfacher. Der Wind bläst teilweise sehr stark. Erste Erfahrungen habe ich am Mittwoch gemacht. Die Etappe betrug 72 km und 1812 Höhenmeter. Wir sind über einen Pass von mehr als 3200 gefahren und der Wind hat kräftig geblasen, er hat mich fast vom Velo geblasen. Da ich nicht schon in der ersten Woche einen Unfall wollte, bin ich kurzerhand abgestiegen und ein Stück gelaufen - ich habe ja keine Eile. Die letzten Kilometer waren eine richtige Plackerei... zum Wind kamen noch die ekligen Hunde. Die sind eine wirkliche Plage. Die bellen wie die Verrückten wenn wir vorbeifahren, dann rennen sie neben den Velos her und wollen uns am liebsten in die Wädli beissen. Das brauche ich jetzt wirklich nicht. Hoffentlich bleibt das auch noch lange so. Heute stand die Königsetappe auf dem Programm: einen Pass von 3'540 m haben wir bezwungen. Ist schon ein tolles Gefühl - und die Abfahrt danach genial.

Morgen geniessen wir den ersten Ruhetag hier in Cuenca bevor es dann am Samstag wieder so richtig losgeht. Wir fahren SA/SO/MO täglich jeweils mehr als 100 km und immer mehr als 1800 Höhenmeter (einmal 2400) - das wird sicher sehr anstrengend.

Bis jetzt bin ich mit dem Velofahren sehr gut klargekommen - es gibt schon ab und zu steile Anstiege und so, aber nicht wirklich dramatisch. Ich denke meine täglichen Trainingsfahrten über den Hauenstein bewähren sich jetzt so richtig. Glücklicherweise bin ich auch immer sehr früh am Tagesziel und kann so den Nachmittag zum ausruhen und entspannen geniessen. Meine Essgewohnheiten haben sich auch drastisch geändert - ich esse bereits wie ein Mähdrescher... und damit mein Magen und meine Verdauung mir keinen Streich spielen, esse ich täglich mehrere Bananen und zum Frühstück harte Eier - das gibt einen guten Boden und verschliesst den Ausgang:-)

Dank meinen prekären Spanischkenntnissen habe ich auch schon einige sehr interessante Gerichte bestellt - in der Meinung es ist etwas anderes. So habe ich zum Beispiel plötzlich einen Gurken-Zwiebel-Tomaten Salat bekommen anstatt Gemüse... und bei einem "Cafe con Leche" bestand die Milch mehrheitlich aus "Nidelschlämpen" anstatt aus schön gesiebter Milch. Jä nu, es gibt viel Schlimmeres. Aber gegen einen feinen Milchkaffee hätte ich schon nichts einzuwenden - dazu ein feines Friandise...

Ihr seht, mir geht es bestens und ich hoffe, dass es noch lange so bleiben wird. Bis jetzt hat mich auch mein Velo noch nicht im Stich gelassen - es fährt super die Strassen hinauf und auch wieder hinunter.

Machet's guet und liebi Gruess us Cuenta

Lea

 

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