The Andes Trail
Lea unterwegs von Quito nach Ushuaia 2010
 
 
  Von: lea.degen
Gesendet: Freitag, 17. September 2010, Abancay (Peru)
Betreff: Schon mehr als 3200 km und knapp 40'000 Höhenmeter

Liebe Freunde

Meine Reise ist immer noch der Hit, trotz den grösseren und kleineren Problemchen oder Problemen. Was mich nicht umhaut, macht mich stark. Hahaha, nein - Spass beiseite, mir geht es wieder sehr gut. Mittlerweile habe ich bereits mehr als 3200km und knapp 40'000 Höhenmeter in den Beinen. Und langsam geht es ans "lebendige", meine Fettpölsterli verschwinden und ich muss kräftig essen, damit ich genug Energie habe. Das Hinauf- und Hinunterfahren ist nicht das Problem, die Höhe ist das Problem. Wir haben schon einige mehr als 4000m hohe Pässe überquert (in den letzten Tagen beinahe täglich) und auch ab und zu ein Bushcamp auf dieser Höhe gemacht. Brrrrrr, ist das kalt - vor allem wenn am morgen eine feine Eisschicht das Zelt bedeckt. Zum Glück habe ich einen wunderbar warmen Schlafsack und friere nicht. Das Wetter hat es in den letzten Tagen sehr gut mit uns gemeint - praktisch keine Niederschläge mehr, mehrheitlich sonnig und warm, teilweise sogar heiss. Nur beim letzten Bushcamp auf 4100m hat es genau zum Nachtessen angefangen zu hageln und ein Gewitter ist über unseren "Zeltplatz" hergezogen. Und natürlich hatte ich an diesem Abend Abwaschdienst und durfte im Regen das Geschirr abtrocknen. Ich hab’s überlebt.

Gesundheitlich bin ich wieder auf dem aufsteigenden Ast - mein Husten und Schnupfen geht langsam zu Ende, meine Schürfungen und blauen Flecken verheilen und meine Beine sind zum Glück immer noch im Schuss. Velomässig gibt es folgende News: minus 1 Bidonhalter, minus 1 Satteltasche, minus 1 Schutzblech vom Vorderrad. Sonst ist alles noch am Velo...

Nachdem wir die letzten Tage nur auf Schotterpisten gefahren sind, habe ich heute wieder einmal mein Velo geputzt. Mein Gott, dieser Schmutz. Das Velo ist jetzt wieder 1 Kilo leichter und strahlt fast im alten Glanz. Ich hoffe sehr, dass mich mein Velo weiterhin nicht im Stich lässt. Es ist wirklich ein zuverlässiges, robustes Velo. Bald sind wir in Cusco (bekannt wegen de Ruinen von "Machu Pichu"). Heute war ein lockerer Tag: nur 80km und 900 Höhenmeter. Ich war bereits um 11h am Etappenziel und kann so einen freien Nachmittag geniessen. Morgen steht wieder eine Gewaltsetappe auf dem Programm: 120km und 2600 Höhenmeter (zum Glück alles auf geteerten Strassen). Dieser Tag wird hart. Und am Ende des Tages wartet das Zelt auf mich... Ich hatte ja schon einmal so einen harten tag (und habe dann im kalten Hotel übernachtet). Hoffentlich bin ich morgen weiterhin top-fit und meistere auch diese neue Herausforderung.

In unserer Gruppe leidet praktisch jeden Tag jemand. Sei es Magen/Darm, Kopfweh, Husten, Schnupfen, Muskelkater oder Schürfungen wegen einem Sturz. Und leider passierte auch ein Unfall mit Folgen: ein Biker ist bei einer Abfahrt unglücklich gestürzt und hat sich den Oberarm gebrochen. Für ihn ist die Reise bereits zu Ende. Er wäre bis La Paz mitgefahren, jetzt muss er 2 Wochen früher aufhören als geplant. Eigentlich hatte er Glück im Unglück - sein Unfall auf der Schotterpiste hätte noch weitaus schlimmer enden können.

Und in einem Hotel wurde in ein Zimmer eingebrochen und das elektronische Equipment von 2 Bikern gestohlen. Ade Laptop, ade Filmkamera, ade Fotoapparat und ade Handy... sh..t! Jetzt müssen wir halt noch besser auf unser Reisegepäck aufpassen.

Aber sonst ist alles OK. Ich geniesse weiterhin jeden Tag! Es ist einfach grandios und ich schätze mich sehr privilegiert, dass ich diese tolle Reise machen kann.

Herzliche Grüsse

Lea

 

 

  Der Inhalt auf dieser Seite ist urheberrechtlich geschützt. Jede Weiterverwendung auch zu privaten Zwecken ist untersagt. © Lea & Christian 2004